Kinne
16 Feb. 2011Sharon Kinne wurde 1940 in den USA geboren. Sie scheint eine anspruchsvolle Dame gewesen zu sein, die gerne über ihre Verhältnisse lebte (von denen sie auch mehrere gehabt haben soll). 1965 "mußte" sie heiraten (man denke an die damaligen Moral-Vorstellungen), weil sie das erste Mal schwanger war. Sie bekam in den folgenden 4 Jahren noch zwei weitere Kinder. Als 1960 ihr Ehemann James angesichts hoher Schulden den Lebensstandard drosseln wollte und seiner Frau sowohl einen Urlaub als auch ein neues Auto versagen wollte, fand man ihn eines Tages erschossen im bis dahin gemeinsam bewohnten Haus vor. Frau Kinne erzählte der Polizei, die gemeinsame, 2jährige Tochter hätte mit einer Waffe gespielt und so versehentlich ihren Ehemann erschossen. Die Polizei prüfte nicht nach, ob ein zweijähriges Mädchen überhaupt eine solche Waffe betätigen konnte (das wurde später von Gutachern verneint) und sah den Vor- als Unfall an.
Vielleicht hätte zumindest dem Sheriff auffallen müssen, daß die automatische Pistole mit langem Lauf nahezu so groß war wie die angebliche Schützin.
Ihre Mutter aber kaufte sich einen neuen Wagen (einen hellblauen "Thunderbird") und freundete sich mit dem Autoverkäufer an. Dieser war allerdings verheiratet, was dessen Frau nur wenige Wochen später mit dem Leben bezahlen sollte. Gefunden wurde sie ausgerechnet von Sharon Kinne selbst. Sie hatte noch versucht, einen zweiten Liebhaber als Begleitung beim Fund zu rekrutieren, was aber mißlang. Sie dachte wohl, wenn sie die Leiche selbst findet, geriete sie nicht in Verdacht. Das war jedoch ein Irrtum. Ihr gelang es auch nicht, den Mord dem Liebhaber anders anzuhängen und sie wurde verhaftet, aber gegen Zahlung einer Kaution entlassen. Im Prozess wurde ihr der Kauf einer Waffe nachgewiesen, aber sie gab an, die Waffe verloren zu haben. Allerdings hatte derjenige, der sie ihr verkauft hatte, vorher Schießübungen damit gemacht. An dessen Schießstand fand man noch Projektile, die mit denen in der Leiche der Frau des Autoverkäufers übereinstimmten.
Dennoch wurde sie freigesprochen.
Allerdings ging das Verfahren in die nächste Instanz.
Dort fand sich ein Zeuge, den Frau Kinne zunächst mit dem Mord beauftragt hatte. Auch sagte eine Zeugin aus, ihr gegenüber hätte sie beide Morde zugegeben. Zusätzlich fand sich ein Brief, wo sie ihrer Mutter die Anweisung gab, die Waffe in einer Wand in deren Wohnung zu verstecken. Die Polizei suchte auch nach der Waffe, übersah allerdings, daß die Mutter vorher umgezogen war und durchsuchte die falsche Wohnung.
Dann platzte das Verfahren aus formellen Gründen, was in den USA mit seinen komplizierten prozeßtaktischen Verstrickungen nicht selten geschieht.
Die Justiz hatte mit Frau Kinne irgendwie kein Glück.
Dafür diese um so mehr, denn Frau Kinne und ihr neuer Freund setzten sich anschließend nach Mexiko ab. Dort freundete sie sich mit einem ortsansässigen Radiosprecher an, den sie aber dann nach einem Streit in ihrem Hotelzimmer erschoß. Sie wurde vom Inhaber des Hotels in flagranti erwischt, mit der Waffe in der Hand, über die Leiche gebeugt. Sie schoß auf ihren Entdecker, traf aber nur die Schulter. Der herbeigerufenen Polizei lieferte sie noch ein kleines Feuergefecht, so, wie man es sich von einer echten Gewaltverbrecherin vorstellt. Sie wurde erneut verhaftet, diesmal von den mexikanischen Behörden. Man stellte fest, daß für den Mord und Mordversuch dieselbe Waffe benutzt wurde wie bei dem vorherigen Mord an der Frau des Autohändlers. Offenbar hatte sich die Waffe also am Ende doch noch angefunden. Sie wurde zunächst zu lediglich 10 Jahren Haft verurteilt, aber in der nächsten Instanz wurden daraus 13 Jahre.
Sharon Kinne war aber nur ein Jahr in Haft, dann entkam sie 1969 aus dem Gefängnis.
Seitdem ward sie nie wieder gesehen.
Vielleicht lebt sie noch.
In jungen Jahren sah sie so aus: 
Wer weiß, wie sie jetzt aussieht.