Wuornos
15 Feb. 2011 Aileen Wuornos wurde am 29.2.1956 in Rochester, Michigan, in den Vereinigten Staaten als Aileen Carol Pittmann geboren und wurde am 9.10.2002 im Todestrakt von Bradford, Florida hingerichtet.
Ihre Mutter hatte bereits im Alter von lediglich 14 Jahren ihren Vater geheiratet. Letzteren lernte Frau Wuornos aber nicht kennen, weil er sich bei ihrer Geburt wegen versuchten Mordes und Notzucht im Gefängnis befand, wo er 1969 Selbstmord beging. Er soll auch Kinder sexuell belästigt haben. Das dürfte ein sehr schwerer Start ins Leben gewesen sein. Vertrauensbildung zu anderen Menschen ist da erheblich erschwert. Im Alter von sechs Jahren erlitt sie beim "Zündeln" mit ihrem Bruder Verbrennungen im Gesicht, die Narben hinterließen.
Bereits 1960 ließ sie auch ihre Mutter sie im Stich und bei den Großeltern, welche sie und ihren Bruder Keith adoptierten. Dort hatte sie früh sexuelle Kontakte mit diversen Männern, darunter angeblich auch mit ihrem Bruder. Im Alter von 15 bekam sie am 23.3.1971 in einem Mutter-Kind-Heim ein Kind, welches nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde. Als kurz danach ihre Großmutter starb, begann sie, sich herumzutreiben und ging auch der Prostitution nach. 1976 starb ihr Bruder an Kehlkopfkrebs und sie bekam eine nicht geringe Summe aus einer Lebensversicherung. Außerdem heiratete sie im selben Jahr einen 69-jährigen, wobei dieser ein Kontaktverbot gegen sie erwirkte, weil sie ihn mit einem Stock geschlagen hatte. Nach nur 11 Wochen wurde sie geschieden. 1981 wurde sie wegen eines bewaffneten Raubüberfalls verhaftet und 1983 wieder entlassen. Weitere Haftstrafen hatte sie bereits hinter sich, zumeist wegen Gewaltdelikten. So warf sie 1976 einem Barkeeper eine Billardkugel an den Kopf. Sie begann immer wieder bizarre Streitigkeiten mit beliebigen Personen, schrieb ihnen Drohbriefe oder beschimpfte sie. Allerdings begann sie irgendwann, immer eine geladene Waffe mit sich zu führen.
Wann sich genau ihr aus der Biografie heraus zu lesender Männerhass entwickelte, ist nicht klar.
Jedenfalls wandte sie sich dem eigenen Geschlecht zu und suchte dort die Geborgenheit, die sie offenbar beim anderen Geschlecht nicht finden konnte.
Zwischen 1989 und 1990 erschoß sie sieben Männer, die sie als Anhalterin mitgenommen hatten. Meist wurden die Männer mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet. Zum Teil waren die Leichen nackt. Als sie persönliche Gegenstände der Ermordeten verpfändete, kam man ihr auf die Spur. Sie wurde verhaftet und überführt auch aufgrund eines abgehörten Telefonates mit ihrer Lebensgefährtin, die sie an die Polizei verraten hatte. Wieder ein Vertrauensbruch, nachdem sie einen der Morde der Freundin gegenüber gestanden hatte. Sie wurde zum Tode verurteilt, woran auch die Adoption durch eine "Wiedergeborene Christin" nichts ändern konnte. Sie bat um die Hinrichtung, weil sie böse sei. Lebenslängliche Haft sei "Verschwendung von Steuergeldern". Sie habe "Hass im Blut" und würde "wieder töten".
Sie wurde im Alter von 46 Jahren durch eine Giftspritze getötet.
Paradox, denn das passierte so mancher Giftmörderin nicht, während sie keines ihrer Opfer vergiftet hatte.
Das Medienecho war immens. Schwulen-und Lesbenverbände setzten sich für sie ein, obwohl sie ihre anfängliche Behauptung, sie habe sich nur gegen sexuelle Übergriffe gewehrt, später widerrief. Es erschienen mehrere Bücher und Fernsehreportagen über ihr Leben. Schon zu Lebzeiten verkaufte sie und ihre Rechtsanwältin die Rechte an der Geschichte an eine Filmfirma. Dann gab sie über das Telefon Interviews im Rahmen von Talkshows. Auch wurde tatsächlich ein Oper mit ihrem Namen im Titel komponiert (wurde allerdings kein Kassenschlager). In der Kriminologie gilt sie manchem Experten als erste "echte" Serienkillerin, weil sie nicht still mit Gift, sondern gewaltsam mit Waffen mordete, und zwar ausschließlich ihr völlig fremde Personen ohne eigenen Nutzen. Berühmt geworden ist sie durch den Film "Monster" mit Charlize Theron in der Hauptrolle, die für die erschreckende Darstellung der Mörderin ohne Rücksicht auf eigene Eitelkeiten 2004 den Oscar gewann. Tatsächlich ist die schauspielerische Leistung von Frau Theron so nahe an der Realität, daß man aufpassen muß, bei Recherchen im Netz zwischen den Fotos der Täterin und der Schauspielerin zu unterscheiden.
Man stößt auf einige Webseiten, die das Leben von Frau Wuornos schildern und daneben ein Bild von Frau Theron zeigen.
Viele Aufnahmen zeigen Frau Wuornos denn auch als Monster. Nur wenige Aufnahmen zeigen sie als durchschnittliche Frau. Sogar ihr Lächeln gerinnt ihr auf manchen Aufnahmen zur schockierenden Maske. Meinem Bild von ihr sieht man die Serienmörderin nicht an. Eine mir nahestehende Person fand die Person auf dem Bild oben sogar "sympathisch". Ich habe der Versuchung widerstanden, die zarte Andeutung eines Totenkopfes auf der rechten Seite um die Augenpartie und den Kiefer herum zu sehr zu betonen.
Wenn man die Geschichte nicht kennt, könnte man sie glatt für das nette Mädchen von nebenan halten. Ich wage allerdings die These, daß sie das bei einem erfreulicheren Start ins Leben auch gewesen sein könnte.
Die Behauptung, jemand sei genetisch böse veranlagt, ist eine nationalsozialistische Theorie (der man vernünftigerweise nicht nachhängen sollte).
Hier ein Original-Foto der Dame (rechts, mit blauem Hintergrund):
Und hier eine Aufnahme von Frau Theron als Frau Wuornos: 