Erinnerungen
21 Juli 2009 An die eigene Vergangenheit zu denken, weckt manchmal gute, manchmal aber auch bittere Erinnerungen. Sich Fehler ins Gedächtnis zu rufen, schmerzt zuweilen. Aber auch und vor allem der Gedanke Menschen, die man gekannt hat und die man nun nicht mehr zu Gesicht bekommt, kann ungute Gefühle zutage bringen. Wenn man diese Menschen gemocht hat oder sie einen nun schneiden, weil ihnen nicht mehr allzu viel an einem liegt.
Oder sie dich sogar meiden wie der Leibhaftige das Weihwasser.
Lebenswege gehen auseinander, manche kreuzen sich nie wieder.
Menschen, mit denen man den Alltag oder auch die Freizeit geteilt hat, die man tagtäglich gesehen hat, sind nun verschluckt von ihrer Welt, die nicht die eigene ist. Nicht mehr. Dabei ist man ein gutes Stück des Weges gemeinsam gegangen, hat miteinander so einiges erlebt und war auch durch so etwas wie Freundschaft miteinander verbunden.
Wir werden niemals auseinander geh'n.
Von wegen: Kaum umgedreht, schon sind sie weg.
Dazu zählen auch verflossene Liebschaften, außerdem ehemalige Arbeitskollegen und auch ausgeschiedene Vereinsmitglieder. Man kann sich die Bilder vergangener Epochen des eigenen Lebens anschauen und die Personen, die nun von der Bildfläche verschwunden sind, kommen einem gleichzeitig fremd und vertraut vor. Man erinnert sich an einzelne Begebenheiten, an einzelne Charakterzüge, an Eigenheiten. Und auch an Streit und Auseinandersetzungen, die man hatte. Sie wohnen möglicherweise nur um die Ecke, aber um diese Ecke kommt man nicht mehr herum.
Und die Bekanntschaft ist längst rum ums Eck.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Man kennt neue Leute, teilt mit anderen Bekannten Arbeitsalltag oder Freizeitvergnügen. Wird man es diesmal besser machen? Oder werden diese Menschen auch eines Tages aus dem Bekanntenkreis verschwinden? Die allermeisten Arbeitskollegen sicher, wenn man in Rente geht. Auch die (St)Reitgenossen bei den verschiedenen Steckenpferden werden sich irgendwann verabschieden, wenn man zu alt ist oder gar zu krank wird, um weiterzumachen.
Dann trennt sich die Spreu vom Weizen.
Sofern überhaupt noch jemand übrig bleibt.
Denn wieviele einsame, ältere Menschen gibt es. Diese waren sicher auch nicht ihr ganzes Leben lang alleine, hatten auch Freunde, Bekannte, hatten Kollegen an der Arbeitsstelle, mit denen sie im Biergarten saßen nach Feierabend und mit denen sie viel gemeinsam hatten. Jetzt nicht mehr. Jetzt sitzen sie allein zu Hause und ihnen bleiben nur ihre Erinnerungen.
Die aber keiner hören will.
Denn nichts ist langweiliger als banale, fremde Memoiren.