Osterhase
20 Juli 2009 Glauben ist alles. Glauben ist allerdings einfacher als Wissen. Denn um etwas zu wissen, muß ich erst etwas lernen. Um etwas zu glauben, muß ich nichts darüber wissen, sondern grundsätzlich erst einmal einer vorgegebenen Annahme folgen. Um etwas zu glauben, brauche ich keine Begründung, denn reiner Glauben hat keine Gründe. Auch braucht man das Gedankengebäude, das hinter dem Glauben steht, nicht zu kennen.
Denn von Fakten braucht Glaube nicht unterfüttert zu sein.
Um etwas zu wissen, sollte ich sehr wohl die Begründung, die dahinter steht, etwa den physikalischen Zusammenhang, zumindest in Grundzügen kennen. Ansonsten hängt der bloße Wissenssatz in der Luft und man wird Schwierigkeiten haben, sich ihn zu merken. Wissen kann sich auch verändern, wenn sich die Kenntnis der Fakten oder auch die Faktenlage selbst ändert. Glauben ist nicht an äußere Bedingungen geknüpft und muß daher nicht stets dem Wissenstand angepaßt werden. So kann selbst gegen eine ausreichend sichere Faktenlage geglaubt werden, was in der Praxis auch sehr wohl vorkommt, man denke nur an die unsägliche Diskussion zum angeblich intelligenten Design.
Glauben kann Tatsachen ausblenden, Wissen sollte das nicht.
Kindern wird gerne erzählt, der Osterhase bringe die Eier. Allerdings hält der Glauben an das Fabelwesen nicht lange, sobald das Kind verständig wird. Erwachsene sind aber zum Teil nicht davon abzubringen, daß die Erde in 7 Tagen erschaffen wurde und daß dies erst ein paar Tausend Jahre zurückliegt. Da kann man Berge von Fakten aufhäufen, davon sind manche Leichtgläubige (oder Hardliner) nicht abzubringen. Denn es ist auch einfacher, sich Sachzusammenhänge mit einfachen Bildern zu erklären als zuzugeben, daß die Welt doch erheblich komplexer ist, als es der menschliche Geist (zudem, wenn er noch mangels Trainings wenig geübt ist) erfassen könnte.
Insbesondere die Vorstellung, der Mensch könnte nicht die Krone der Schöpfung sein und diese könnte auch ohne Mensch ganz ohne Probleme (jedenfalls mit erheblich weniger Problemen) auskommen, erscheint manchen Gläubigen undenkbar. Sich selbst als nicht herausragend bedeutend anzusehen, ist für manche nicht hinnehmbar. Obwohl doch das Buch der Bücher zu Bescheidenheit anhält, ist der durchschnittliche Gläubige alles andere als bescheiden, wenn es um die eigene Rolle im Universum geht. Wobei angesichts der Größe des bekannten Raumes Lieschen Müllers herausragende Bedeutung doch zumindest zu hinterfragen wäre.
Glaube ist, allerdings ebenso wie Wissen, aber immer von Menschen gemacht. Zwar wird anderes behauptet, aber dahinter steht der alte rhetorische Trick vom Verweis auf Autoritäten. Wohl dem, dessen Glaube nicht selbstgestrickt ist, sondern der sich auf die höchste denkbare Ebene berufen kann. Wenn aber Glaube von Gott käme, dann fragt sich, warum es dann verschiedene Religionen gibt. Offenbar ist es Gott herzlich gleichgültig, an was geglaubt wird, ansonsten er andere Glaubensrichtungen nicht zuließe. Oder es gibt ihn nicht, das würde auch manches erklären.
Selbst wenn, dann sollte man sich und seinen Glauben nicht für allgemeingültig und sich nicht für den Nabel der Welt halten.
Daran krankt viel auf diesem Erdenrund. Ob man also an den Osterhasen glaubt, bleibt einem selbst überlassen. Wichtig ist allein, anderen das Recht zuzugestehen, an den Osterhasen zu glauben.
Wenn das die Menschen glücklich macht, gibt es dagegen auch nichts zu sagen.