Was macht das Wintermärchen eigentlich in der warmen Jahreszeit? Während es sich zwischen Herbst und Frühjahr kühl gibt und Landschaften in optisch stimmige Träume in weiß, lichtblau und hellgrau verwandelt, scheint es zwischen Frühlingserwachen und Herbstdepression Luft zu holen und sich in schiere Dummheit zu verwandeln, in die Suche nach dem Maß, was sich aus einer extremen Mischung an jugendlicher Schlankheit, Unbildung und Einbildung ergeben könnte. 

Das Demütigungsfernsehen castet junge Damen, denen die Sehnsucht nach Ruhm alle Skrupel und Scham genommen hat, steckt sie an einem sonnenumwölkten Ort in knappe Bikinis und entlarvt ihre allumfassende Unwissenheit, aber auch Inkompetenz in einfachsten Handreichungen auf das Genaueste. Die Kamera hält gnadenlos drauf, wenn sich Tränen abzeichnen oder gar niveauarme Kämpfe ausgetragen werden zwischen Wesen, deren alptraumhafte Ahnungslosigkeit körperlich weh tut.
Sogar die Moderatoren sind der allgemeinen Dümmlichkeit angepaßt, auch, wenn sie sich über die Geistesfreiheit der unterbelichteten Damen immer wieder lustig machen. Immerhin wissen sie ja die Lösung der eher einfachen Fragen, weil diese auf ihren Karten stehen und sie sie ablesen können. Wer die wohl gecastet hat? 

Und das alles für einen Titel, den es wohl nur einmal geben wird und der an Wertlosigkeit vielleicht nur noch vom Deppen des Jahres überboten wird. Als Preis winkt die Moderation in einer Boulevardsendung, die sich vornehmlich mit Brustvergrößerungen, C-Prominenten und Klatsch befaßt, wobei fraglich ist, ob selbst dafür die Lolitas noch taugen. Denn die meisten kriegen kaum brauchbare Sätze heraus, selbst, wenn sie sie ablesen dürfen. Für die peinlichen Höhepunkte des Tages, wenn der Körper taxiert werden soll, hat man nicht einmal mehr C-Prominenz gefunden, weshalb unbekannte Telefondesinfizierer vom Ende des Universums diejenigen Damen, die nicht mit Charme oder Natürlichkeit glänzen können, rüde ins Wasser schubsen.
Ein Wunder, daß es bei derlei Kriterien nicht allen so ergeht.

Die Frage aber ist: Was kommt wohl als nächstes? Wozu werden in der Öffentlichkeit demnächst ruhmsüchtige Menschen bereit sein? 
- Für Geschlechtsverkehr mit alkoholkranken Obdachlosen (Titel der Sendung: "Deutschland sucht die toleranteste Matratze")? 
- Für das Austragen einer Leihmutterschaft für einen Unbekannten ("Wer kriegt das blondeste Baby")? 
- Für die kosmetische Veränderung ohne Einflußnahme auf ein gewünschtes Ergebnis ("Monster 2010")?
- Für die Pharmaindustrie, als Versuchskaninchen ("Der Superausschlag des Jahres")?

In den Ideenschmieden der Unterhaltungsindustrie wetzen unmoralische Quotenerzeuger schon die Messer, mit welcher Schmach sie zugunsten des operativen Ergebnisses der Sender die Menschheit in Zukunft malträtieren wird. Wer erinnert sich noch an die harmlosen Zeiten von "Big Brother"? Dessen Anfängen mußten einst gerichtlich erstritten werden. Wobei man seitens der toleranten Gerichte vermutlich nicht geahnt hat, welchen Auswüchsen man den Weg bereiten würde. Nun aber scheint es kaum noch Grenzen zu geben, solche des guten Geschmackes ohnehin nicht mehr. Auch sollte man sich nicht wundern, welche PISA-Niederungen man noch ertragen muß, wenn man zuläßt, daß Kinder mit solchem Fernsehen aufwachsen, das keinen Standard mehr kennt und auch keine ethischen Grundlagen. Man muß sich nicht wundern, wenn so einige davon ausgehen, daß man es auch ohne Bildung, irgendwelche Fähigkeiten und Anstrengungen weit bringen kann.
Und daß man in seiner Unfähigkeit noch lange nicht das Schlußlicht bildet.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, daß das schadlos an der Gesellschaft vorbei geht. Angesichts der Entwicklung ist aber Hoffnung etwas, die sich nicht an Fakten orientieren sollte.
Denn faktisch lernt die Menschheit nicht dazu.

Sie lernt im Gegenteil, daß es mit immer weniger auch geht. Wobei man dachte: Weniger geht gar nicht. und: Weniger sei mehr. Aber man lernt nie aus.
Was aber unnötig ist, wie man aus dem Fernsehen lernt.
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