Eine der Unterschiede zwischen Normalsterblichen und Prominenten (insbesondere Politikern) ist, daß der kleine Mann (oder die kleine Frau) von der Straße Seitensprünge machen oder Fehler, während Berühmheiten Affären haben. Der Unterschied liegt also wieder mal zwischen aktivem Tun (Machen) und passivem Besitz (Haben). Wie es scheint, fällt dir, bist du erst einmal bekannt, alles von selbst in den Schoß. Wobei Affären je nach Gütegrad des Rufes etwas anrüchiges haben und zwar Probleme verursachen, aber wenigstens den Namen im Gespräch halten.
Allerdings hat es in diesem Zusammenhang auch Vorteile, unbekannt zu sein. 

Denn als Anonymer kommt man mit der guten, alten Lüge in aller Regel weiter.

Dagegen der VIP steht unter ständiger Beobachtung. Er will das so. Aber doch nicht so. Die Medien, die sich nicht unbedingt dem seriösen Journalismus verschrieben haben, lauern ohne Unterlaß auf Fehltritte bekannter Persönlichkeiten. Und halten die Kameras gnadenlos drauf, wenn jemand als nicht ganz so sattelfest in Sachen Treue enttarnt werden kann. Das interessiert die Masse auch mehr als schnöde Politik, auch, wenn sich Politik auf einen selbst auswirken kann, Affären vor allem für den Enttarnten selbst Folgen haben kann. 
Die mörderische Frage, wer mit wem schlief, spielt in der politischen Großwetterlage keine Rolle.

Dennoch: Es sind Menschen. Und Menschen irren. Also irren sie herum und verteilen ihr Sperma oder ihre Aufmerksamkeit an Stellen, die als heikel anzusehen sind. Potenz gilt immerhin als Zeichen von Stärke, und stark sein wollen sie alle. Also probiert man seine Stärke aus, ob man noch im Rennen ist beim anderen Geschlecht. Gerne kann die Partnerin auch deutlich jünger sein, denn die Ehefrau zu Hause ist allein gut für das Repräsentieren und ist damit Teil des Kapitals einer Berühmtheit im Bezug auf das heile Familienleben und damit die Integrität und des Rufs.
Aber wer greift schon sein Kapital an, man will doch tunlichst von den Zinsen leben.

Uns so greift man tief in die Trickkiste, wenn solch ein Verhältnis denn doch einmal ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. Zuerst mit einer Phase des Ignorierens, gefolgt von wüsten Dementi und dann einem öffentlichen Einlenken. Man zeigt sich wieder mehr an der Seite des braven Eheweibs, demonstriert Einigkeit im Treuegelübnis und pocht wieder auf die traditionellen Werte, die die eigene Partei auszeichnen.
Und die den vor allem konservativen Wählerschichten ansprechen.

Auch, wenn man sich angenehm schaudert und ausgesöhnt wird mit der eigenen, unbekannten Unzulänglichkeit. Was ist man doch selbst für ein braver Bürger. Und, wenn nicht, kann man auf bekannte Vorbilder verweisen. Was licet Iovi, ist eben in unserer demokratischen Gesellschaft auch Bovi erlaubt. Wenn die Vorbilder sich schon wenig vorbildlich verhalten, warum sollte es dann Otto Normalversager beherzigen? Umso mehr, wenn die Fehler letztlich ohne Konsequenzen bleiben, von einer Steigerung der Popularität einmal abgesehen. Was sich in unserer medialen Welt noch als Vorteil herausstellen kann. Denn der Promi-Faktor kann bares Geld wert sein. Und wen man kennt, den wählt man auch. Denn auf Inhalte kommt es weniger an. Ansonsten würden solche sexuellen Eskapaden nicht breitgetreten, denn welchen Bezug hätten diese zum politischen Handeln?
Eine auf Neudeutsch "Win-Win-Situation". Und damit geradezu ein Aufruf zur Amoralität. Sex sells.

Keine ethisch sehr hoffnungsvoll stimmende Erkenntnis. 
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