Sport
17 Juli 2009 Zwei Tendenzen der letzten Jahre scheinen so gar nicht zusammenzupassen: Einerseits nimmt das Geschäft mit dem Sport immer mehr zu. So verzeichnen Hersteller von Sportbekleidung und Sportgeräten steten Zuwachs. Auch gibt es für die simpelsten Sportarten zunehmend mehr Zubehör: Man traut sich kaum noch Rad zu fahren oder zu laufen ohne einen Haufen Gimmicks und Funktionskleidung, während man sich früher einfach mal auf den Blechesel oder Schusters Rappen geschwungen hat.
Andererseits werden die Menschen, insbesondere die deutschen, immer dicker, weil bewegungsärmer und verfressener. Das fällt schon im Straßenbild auf: Waren früher Übergewichtige eher vereinzelt zu umgehen, kann man heute den Adipösen kaum noch ausweichen.
Müßte bei derart guter sportlicher Ausrüstung nicht auch die Zahl der Michelinmännchen und -weibchen zurückgehen?
Oder kauft man Sportbedarf nur aus schlechtem Gewissen, ohne diese zu benutzen?
Ich kenne durchaus Menschen, die sich, bevor sie auch nur einen Schritt tun, erst einmal "gründlich informieren". Sie sind noch keinen Meter gelaufen, haben aber schon teure Laufschuhe, alle möglichen schweißabsorbierenden Spezialtops und Wasserflaschengürtel im Schrank, ohne auch nur einmal geschwitzt zu haben. Nicht zu vergessen eine Bibliothek über das richtige Lauftraining, zum Teil noch in Zellophan eingeschweißt (das einzig schweißtreibende an der Sache). Dafür haben sie eine ganze Stange Geld ausgegeben, aber was tut man nicht alles für die Gesundheit. Wer soviel für seine Gesundheit tut, der hat sich schon bei jedem Kauf eine Belohnung verdient, sei es etwas Süßes oder ein Bier.
Oder ein Bier und etwas Süßes.
Doppelkinn hält bekanntlich besser.
Und so wanken sie dann, ausgestattet mit dem modernsten Sportequipment, durch die Wirtschaften und beklagen sich darüber, daß sie nicht abnehmen. Wo das doch laut Werbung der Hersteller wie von selbst gehen sollte. Geht es eben aber nicht. Auch die fortschrittlichste Sportforschung ersetzt nicht die eigene Aktivität. Und damit ist nicht der Kauf von allerlei Dingen gemeint, die das Leben nicht im wahrsten Sinn des Wortes leichter machen.
Daraus sieht man auch, daß man aus Umsätzen nicht auf Verhaltensweisen schließen kann.
Wer etwas kauft, kurbelt zwar lobenswerterweise die Wirtschaft an. Aber es ist noch lange nicht gesagt, daß er das Zeug auch benutzt. Der Industrie mag es egal sein, sie macht ihren Reibach. Aber die Gesundheit geht den Bach hinunter.
Und das überraschende daran ist, daß es die Menschen noch überrascht.
Daß Fitmacher nicht von alleine fitter machen.