Vereinsamung
16 Juli 2009 Warum so viele Menschen, trotz der zunehmenden Möglichkeiten der Kommunikation, zunehmend vereinsamen, bleibt ein Rätsel. Man kann sich die Welt sekundenschnell ins Haus holen, Interessensgenossen finden, sich mit Gleichgesinnten verlinken. Dennoch wächst die Zahl der Singles, die Zahl der Scheidungen und auch der einsamen Herzen stetig. Vielleicht war es doch persönlicher, als man sich noch analog den anderen Menschen präsentieren mußte als jetzt, wo man sich digital alle Attribute zuschreiben kann, die man gar nicht hat und sich so als Supermann oder Superfrau verkauft. Vielleicht verlernt man vor dem technischen Gerät auch die Fähigkeit zur direkten Kommunikation. Wo man doch so schön nur das gefiltert an die Welt schicken kann, was man möchte.
Und sich insgeheim bewußt ist, daß der Teil, den man wegläßt, mögliche Freunde irritieren könnte.
In der Realität braucht man sich nicht zu beschreiben, man muß nur vorhanden sein.
Und die Art, wie man sich beschreibt, läßt jedenfalls Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu. Und wenn sich jemand schon selbst mit Fehlern beschreibt, wie negativ mag man da sein? Denn jeder macht sich bekanntlich besser, wenn er sich selbst beschreibt. Das ist bekannt und wird von jedem Leser einer Beschreibung in seinen Eindruck eingerechnet. Also muß man immer etwas beschönigen, um diesem dialektischen Prozeß ins rechte Licht zu rücken. Denn um die Wahrheit zu treffen, muß man sich besser zeichnen, daß man beim Adressaten so ankommt, wie man ist. Wenn man dies nicht übertreibt oder der Angeschriebene die Zeichen nicht zu sehr für bare Münze nimmt.
Klar, daß solch eine Vorgehensweise nicht allzu sehr zur Aufrichtigkeit erzieht.
Ehrlichkeit ist aber die Basis für jede Beziehung, nicht nur für die zwischen Sexualpartnern. Weil Vertrauen eine Grundvoraussetzung dafür ist, sich jemandem zu öffnen, eben eine Beziehung einzugehen. Wenn aber Ehrlichkeit nicht mehr gefragt ist und Aufrichtigkeit am Computer gewissermaßen verlernt wird, ist leicht nachvollziehbar, warum es immer weniger Bindungen gibt.
Weil schlicht das Mißtrauen wächst.