Egoaltruismus
14 Juni 2009 An andere zu denken, ist etwas Schönes. Aber nicht jeder will sich etwas Schönes gönnen und denkt lieber an sich. Und die Rechtfertigung dafür ist, daß doch an jeden gedacht wird, wenn jeder nur an sich denkt. Schließlich denkt so mancher an sich, warum können dann nicht auch alle anderen an ihn denken?
Aber Denken ist Glückssache.
Uneigennützig zu sein, erst recht.
Denn im Altruismus mag auch eine Portion Egoismus stecken. Man denkt dabei an den Ruhm, der auf einen zurückfällt, wenn man sich so für andere einsetzt. Und man stützt die Gemeinschaft und dient damit nicht zuletzt auch sich selbst.
Wobei Verzicht selten wirklich belohnt wird, zumindest nicht merklich.
Undank ist zumindest der Lohn auf dieser Welt.
Aber es ist seit längerem eine Binsenweisheit aus der Psychologie, daß Altruismus ein echter Weg zum persönlichen Glück darstellt. So macht es, übrigens unabhängig von der Summe, tendenziell glücklicher, Geld an andere zu spenden, als es für sich auszugeben. Vielleicht liegt das an der Überwindung, die das neben dem Geld kostet - und der Triumph, sich überwunden zu haben, schüttet Glückshormone aus. Auch ist erwiesen, daß es das Selbstwertgefühl erheblich stärken kann, wenn man anderen hilft. Therapeutische Ansätze zum Beispiel bei Kindern aus Problemfamilien können dahin gehen, sie in Hilfsorganisationen einzuspannen. Berühmt geworden ist ein Psychologe, der Erfolge beim Einsatz solcher Problemfälle bei der Seerettung vorzuweisen hat. Hier dient der altruistische Ansatz zwar auch ganz klar einem eigennützigen Zweck.
Aber er zeigt, daß die These, daß vor allem nützt, was einem selbst nützt, nicht unbedingt richtig ist. Auch, was anderen nützt, kann mir selbst Nutzen bringen.
Anderen das Leben zu retten, kann mein eigenes retten.
Auch kann man durch Uneigennützigkeit Ruhm und Vorbildfunktion erlangen, wie nicht zuletzt die Beispiele von Mutter Teresa und Albert Schweitzer zeigen. Menschen, die ihr ganzes Leben sich selbst gedient haben, ohne daß die Gemeinschaft auch etwas davon hatte, kennt hingegen niemand. Zwar mag man extrem ichbezogene Künstler nennen, aber es ist vor allem deren Leistung, die man kennt, weniger die Person, die man achtet. Deren Werke erfreuen die Menschen, nicht die Urheber persönlich; aber die Helfer selbst sind es, die Freude bereiten. Auch, wenn man solchen Helfern oft ein gleichnamiges Syndrom andichtet, so hat man doch allenthalben Achtung vor der Lebensleistung, die aus deren Einsatz spricht.
So mancher Egomane meint nur, daß er sich in den Mittelpunkt gestellt hat, weil er in seinem eigenen Weltwild in der Mitte aller Dinge steht.
Er denkt, man denkt an ihn, weil er an sich denkt und von anderen Menschen denkt, denen könnte es doch unmöglich anders gehen.
Es kann.
Und das ist die größte Strafe für alle Egoisten. Wobei die dann nur denken: Diese Ignoranten denken auch nur an sich.
Statt an mich.