Beginn
02 Juni 2009 Am Anfang zu stehen, kann erhellend sein. So am ersten Urlaubstag oder wenn man gerade frisch verheiratet ist. Aber Anfänge können auch schwer sein, so die erste Zeit an einer neuen Arbeitsstelle oder der Zuzug in eine Stadt, in der man niemanden kennt. Wenn ein Neubeginn anfängt, hat man einerseits noch alle Möglichkeiten der Entwicklung, andererseits hat man wenig, worauf man bauen könnte.
Außer auf die eigene Erfahrung.
Wenn man auf sich gestellt ist, bringt man auch in Erfahrung, wer man ist und was in einem steckt.
Und ein Beginn hat auch etwas tröstliches, denn man gehört noch nicht zum alten Eisen, wagt noch etwas Neues und traut sich, einfach ins kalte Wasser zu springen und sich freizuschwimmen. Man kommt aus dem alten Trott hinaus und kann in neuen Fahrwassern so manches besser machen, was man in den alten Gleisen nicht zu ändern wagte.
Allerdings kann man auch scheitern.
Und diese Angst vor der Verschlechterung läßt Viele in einem selbst nicht als ideal angesehenen Zustand verharren.
Man könnte sich zwar auch verbessern, aber ein Risiko bleibt, deshalb gibt man lieber nicht auf, was man eigentlich nicht für ausreichend hält, aber immerhin nicht ungenügend ist.
Alles Scheiße hier, aber es könnte noch schlechter kommen.
Wer weiß, was mich erwartet, wenn ich mir eingestehe, daß ich am liebsten alles hinschmeißen würde.
Dennoch sind Aussteiger gleichzeitig geachtet und geächtet. Lassen Sie uns Zaudernde doch mit dem hier zurück, wagen aber auch etwas, was in den meisten von uns schlummert, was wir aber niemals aufwecken würden. Lieber träumen wir von einem Haus unter Palmen, als all unsere Habe zu Geld zu machen und sich ein billiges Fleckchen Erde unter Palmen für einen kleinen Hausbau zu suchen. Man weiß ja auch nie, ob das Paradies nicht auch Schattenseiten hat. Ohne Krankenversicherung und sozialen Rettungsschirm unter einer Palme zu liegen und am Ende noch eine Kokosnuß auf die braungebrannte Birne zu bekommen, kann die Lebensfreude durchaus trüben.
Keine Rose ohne Dornen.
Und wenn dem so ist, dann kann ich gleich hier bleiben, denn die Dornen hierzulande kenne ich wenigstens.