Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, behauptet wenigstens das Grundgesetz. Immer wieder aber klagen eher weniger kulturbeflissene Mitbürger, die Staatsgewalt gehe niemals aus, und wenn, dann von der Polizei. Ja, sogar von Provokation ist die Rede. Nur, weil man sturzbetrunken grölend durch Innenstädte zieht und die Niederlage seiner Lieblingsmannschaft an doch sicher absichtlich zu diesem Zweck abgestellten Fahrzeugen ausläßt, fühlen sich die Männer in grün dazu berufen, dieses berechtigte Interesse am Zerstören fremder Werte tunlichst zu unterbinden.
Wer sind die denn, daß sie es wagen, einen Mob bei der Ausübung seiner destruktiven Pflicht zu hindern?

Keine Gewalt ist doch auch keine Lösung. 

Und als Außenstehender steht man außen und das vor allem still. Denn man will nicht auch noch seines körperlichen Wohlbefindens verlustig gehen. Eine Packung Prügel ist schnell ausgepackt und daher schaut man meist dem wilden Geschehen ruhig, aber auch ein wenig fassungslos zu.
Zivilcourage sieht anders aus. 

Aber als Einziger aufzubegehren gegen eine Übermacht blinde Wut, erscheint auch nicht ratsam.

Gegen Gewalt hilft auch wenig, vor allem, wenn sie weder auf gute Argumente, noch auf den Verweis auf strafrechtliche Folgen reagiert. Es kann tausendmal strafbar sein, unbescholtene Mitmenschen körperlich zu züchtigen und es mag auch kein Grund vorliegen, gerade diesem Menschen zu zeigen, wo der Dampfhammer hängt; wer zur falschen Zeit am falschen Ort an den Falschen gerät, dessen Zahnbürste greift bald ins Leere. Wo rauhe Burschen sinnlos walten, da hilft weder Vernunft noch Autorität, da hilft nur Gegengewalt von geschulten Kräften.
Wenn man Zeit hat, die Sicherheitsbehörden rechtzeitig zu informieren.

Besser, man flüchtet oder hält sich gar nicht erst in der Schußlinie auf.

Dabei ist die häufigste Form der Gewalt die im sogenannten sozialen Nahraum. Von einem Verwandten oder Bekannten körperlich angegangen zu werden, ist deutlich wahrscheinlicher, als von einem unbekannten Schläger vertrimmt zu werden. Man hüte sich also eher vor der eigenen Familie und dem eigenen Freundeskreis. 
Wer hier vorsichtig ist, tut viel für seine Gesundheit.

Nicht umsonst heißt es auch: Familienbande.

Aber im sozialen Nahraum tun sich die Ordnungshüter schwer, die Ordnung zu hüten, erst recht die Schäfchen zu beschützen. Zudem muß in aller Regel das Kind schon in die brutalen Hände der Verwandtschaft gefallen sein, bevor die Ordnungsmacht ihren obrigkeitlichen Charme spielen lassen kann. Präventiv hält man viel von Vorträgen und hält diese auch allenthalben, aber handgreiflich wird man erst, wenn es handgreiflich wurde.
Was kann man also tun?

Vielleicht sollte man sich den wilden Horden einfach anschließen, denn wenn man zu den Tätern gehört, wird man nicht zum Opfer. Zudem kann man so Gewalt nicht nur ausüben, sondern auch üben. Und sich zudem den Ruf ruinieren, auf daß die feige Verwandtschaft vor Angst in die Hosen macht und ihre Untaten schwächeren Gemeinschafts-Mitgliedern angedeihen läßt. Wo man dann sogar noch den Retter spielen kann.
Oder zumindest den Rächer.

Wenn man am richtigen Auto vorbeikommt.

Wie man also sieht, hat alles seine Vorteile. Und Vorurteile. Vielleicht tut man den Vandalen auch Unrecht und es handelt sich vor allem um brave Familienmenschen, die nur dabei sind, sich gegen die Brutalität ihres eigenen Clans probehalber zur Wehr setzen. Sie sind weder dumm noch ungehobelt, noch ist die Gewalt sinnlos. Zudem freuen sich die Autohersteller oder zumindest die Reparaturwerkstätten, wenn so ein trainierender Gewalttäter sich in den Innenstädten austobt. 
Eine echte Gewinn-Gewinn-Situation also. 

Nein, wahrscheinlich ist es genau so, wie es scheint: Üble Krawallbrüder halten die Braven in Schach und sobald die Polizei eingreift, muß diese sich sogar den Vorwurf gefallen lassen, zur Eskalation beigetragen zu haben.
Die Welt ist nicht so, wie wir sie haben wollen.

Aber oft so, wie sie auf den ersten Blick scheint. 
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