Gitarre spielen macht viel mehr Spaß, wenn das Instrument in der richtigen Stimmung ist. Verstimmte Saiten schmiegen sich nicht allzu wohlig in die Gehörgänge und verstimmen auch das Publikum. Aber man selbst kann dennoch in gute Stimmung kommen, wie Musik keine gute Stimmung braucht, um gemacht zu werden. So manches Liebeslied verdankt seine Existenz auch ausgesprochen schlechter Stimmung des Komponisten, hat ihn aber teilweise in bessere Laune versetzt, vor allem - bei erfolgreichen Liedern - beim Blick auf das Bankkonto.
Da war von der Verflossenen nur noch textlich die Rede, aber das Lied lebt fort. 

Stimmungen kann man auch machen.

Wobei diese gemachten Stimmungen meist negativ besetzt sind. Wer Stimmung macht, opponiert ohne echte Argumente gegen eine Position. Auch, wenn keine Stimmung herrscht (was tatsächlich nicht möglich ist, weil irgendeine Stimmung herrscht immer, notfalls eine schlechte), wird damit angedeutet, daß die Stimmung eher mau war, der Funke sprang nicht über, die Feier war nicht gerade ein Erfolg. Da fehlte eben derjenige, der als Brandbeschleuniger den Funken zum brennen bringen soll, der personifizierte Produzent von Stimmung (und zwar guter): Eben der Stimmungsmacher. 
Er macht Stimmung für diejenigen, die im Jugendslang Party machen.

Parties werden nicht mehr gefeiert, sie werden schlicht gemacht, oft, ohne wirkliche Feiern zu sein.

Aber Hauptsache, die Stimmung stimmt. Wenn die Stimmung nicht stimmt, ist sie dennoch eine, und zwar eine schlechte. Aber die ist dann nicht vom Stimmungsmacher gemacht, sondern entstand von ganz alleine. Oder jemand hat die Stimmung verdorben, durch allzu viel Wahrheit, nervige Ehrlichkeit oder Abstinenz von Alkohol. Wer sich etwa auf dem Jahrestreffen der Fleischermeister als überzeugter Veganer gibt, weil man gegen das Töten ist, dann tötet derjenige schnell die Stimmung. Nachrichten über die Bankenkrise sind etwa auf Versammlungen der Bankmanager oder der FDP-Mitglieder unangebracht, schließlich will man sich und sein Weltbild feiern, ohne, daß man daran erinnert wird, daß man durch seine Einstellung die Wirtschaft erst ins Wanken gebracht hat. Man ist die Lösung, nicht die Ursache des Problems. Auch haben lange Ausführungen über Amokläufer auf Verkaufsausstellungen der Waffenindustrie nichts verloren, schließlich töten Waffen keine Menschen, sondern Menschen. Auch die Argumentation, daß man auch nicht das Heroin ins Gefängnis steckt, sondern die Heroinhändler, ist tunlichst zu vermeiden, wenn einem sein Leben lieb ist.
Man sollte durchaus auch eine Antenne für Stimmungen haben, ansonsten richtet sich die allgemeine Stimmung schnell gegen einen.

Sofern man das nicht sogar gut findet. Rebellen lieben das, Harmoniebedürftige weniger.

Aber es gibt auch eine allgemeine Stimmung im Lande, die wird von uns allen gemacht, auch wenn wir das alle gar nicht wollen. Wir schaffen nicht nur ein Konsumklima, sondern auch die Stimmung, innerhalb derer der Konsument konsumiert oder eben nicht. Wir schaffen ein Klima, in der Investitionen getätigt werden oder infolge schlechter Stimmung leider nicht. Wir schaffen das Klima, indem wir gegen Windkraftanlagen wettern, weil die politische Stimmung sich lieber von Lobbyisten der Ölmultis schmieren läßt, als zugunsten des Weltklimas Stimmung für alternative, grüne Energiequellen zu machen.
Ja, in der Großwetterlage ist die Stimmung immer so, wie sie gemacht wird.

Und wie von offizieller und journalistischer Seite gesagt wird, daß sie gemacht worden sei. 

Schließlich meint der eine oder andere am Ende noch, die Stimmung sei gut und er konsumiert, während die Stimmung eigentlich schlecht ist und keiner konsumiert, obwohl er es sollte. Aber so ist der Mensch: Wenn er nicht weiß, in welcher Stimmung er sein soll, dann ignoriert er am Ende noch die schlechte Stimmung und ist guter Dinge.
Das muß man ihm austreiben.

Denn die Stimmung kann nur durch die Politik gehoben werden, nie durch die Bürger. 
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