Angst
17 Mai 2009 Ängste sind ein ständiger Begleiter im Leben. Zwar mag die Angst nicht übermächtig sein (das wäre pathologisch), aber im Hintergrund schwingt sie immer mit. Man hat Angst vor Arbeitslosigkeit (gerade momentan weit verbreitet), Angst, im Alter krank und allein zu sein (dies vor allem Menschen in den sogenannten besten Jahren), Angst davor, den Kindern könnte etwas zustoßen oder sie könnten dem Verbrechen oder der Drogensucht anheim fallen, Angst vor Zurückweisung, der Klimakatastrophe oder einem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems. Es gibt große und kleine Ängste, unmittelbare und eher abstrakte.
Manche dieser Ängste sind diffuser, weniger rational, andere dagegen sehr handfest.
Und sei es nur die Angst, es könnte bei der geplanten Feier regnen oder die Hälfte der Gäste könnte absagen.
Hier kann man sich leicht trösten: Nur wer kommt, über den wird nicht geredet.
Und so hat sich eine ganze Industrie auf die Ängste der Menschen spezialisiert. Da gibt es zum einen Ratgeber für alle Lebenslagen, geschrieben von Betroffenen, Fachleuten oder Leuten, die anscheinend viel Langeweile in ihrem Leben kennen, wenn sie solche Bücher schreiben (was ebenfalls beängstigend ist). Da gibt es alle möglichen, vor allem homöopathischen Mittel gegen Stimmungen, die im Dunstkreis von Ängsten anzusiedeln sind und auch jede Menge extra abgestimmte Therapien (so gegen Flugangst). Und nicht zuletzt Süchte wie der Hang zum Alkohol oder zu Spiel sind zumeist Fluchtverhalten vor etwas, was Angst macht dienen als Ventil, um falschen Umgang mit seinen Ängsten zu katalisieren.
Sollte man sich seinen Ängsten immer stellen?
Vor allem, wenn sie nicht lösbar erscheinen.
Sicher kann man manchen Angstgefühlen mit einer konstruktiven Lösung begegnen, Arbeitslosigkeit etwa kann man je nach Sachlage durch intensive Stellensuche oder auch Zusatzqualifikation oder hohes Engagement begegnen. Aber das Klima kann man kaum durch ein Einzelaktionen retten, auch hat man nicht immer Einfluß auf die Gefühlslage des Partners (nur auf sein Verhalten: Wenn man seinen Lebensgefährten nicht gut behandelt, braucht man sich nicht groß zu wundern, wenn die Beziehung irgendwann zerbricht). Man kann wenig dazu beitragen, daß die Wirtschaftskrise einen nicht mit voller Wucht trifft (wobei Anbau von Gemüse im eigenen Garten im schlimmsten Falle nie verkehrt ist).
Aber auch kann es im Einzelfall ratsam sein, auch einmal Hasenfuß zu sein.
Wer sich ständig gegen alles stemmt, reibt sich auf.
So sollte man, wenn man sich erwachsen nennt, durchaus in der Lage sein zu erkennen, was man nicht ändern kann und dies akzeptieren. Manchmal entspannt sich die Lage auch schon, wenn man sich in das Unvermeidliche fügt und nur gegen das Vermeidliche ankämpft. Schicksalsschläge als Teil des Lebens zu begreifen und nicht persönlich zu nehmen, ist auch eine Aufgabe, die der Mensch hat. Selbstverständlich darf man sich nicht immer ergeben, aber die Erkenntnis, daß man selbst kein Übermensch ist, ist, so schmerzlich sie auch sein mag, ein wichtiger Schritt, um mit Ängsten angemessen umzugehen.
Gott sei Dank wird man mit den Jahren gelassener.
Man lernt sich besser kennen und hat auch schon ein paar der anvisierten Ziele erreicht.
Die Angst, nicht mehr alles, was man sich vorgenommen hat zu erreichen, nimmt langsam ab, weil man sich auch an den Zustand gewöhnt, wie er ist.
Nur eine Angst nimmt stetig zu.
Die vor dem Tod.