Sicher auch ein interessantes Gebiet ist die Welt der Zocker, die auf alles wetten und für die alles ein Spiel ist, bis sie wegen zu hohem Einsatz sich pleite und allein inmitten einer unheilvollen Sucht wiederfinden.
Hier aber soll die Rede sein von Niederschlägen, die nicht das Leben, sondern der Himmel für uns bereit hält, von Temperaturen, von Sonnenschein und Blitz und Donner. 

Dem Wetter, Quell vieler Gespräche und Grenze der Macht der Menschen.

So allmächtig sich die Gattung Homo Sapiens Sapiens (kein Tipfehler) auf diesem Erdenrund glaubt, beim Klima sind ihm die Hände gebunden. Mag man in den modernen, modernden, mordenden Großstädten auch die Unbill der Elemente nicht mehr so hautnah und klatschnaß mitbekommen wie auf dem Lande, so ist eine Bemerkung über die aktuellen Temperaturen immer noch ein guter Einstieg in ein Kleingespräch zwischen Fremden; unverbindlich, allgemein von Interesse und nicht allzu vielsagend.

Daß es dieses Jahr wieder so viel regnen muß.

Gleichzeitig beeinflusst das Wetter den Alltag ungemein, und nicht nur Picknickvergnügen oder Fußballspiele hängen von der Witterung ab. Auch das Wahlverhalten des ach so mündigen Bürgers ist demoralisierenderweise ganz stark davon beeinflusst, ob die Sonne lacht oder der Himmel weint. Jeder kann sich auch an ein Unwetter (wobei es kein solches gibt, denn jedes Wetter ist eines) erinnern, das ihm die Biografie ein wenig verhagelt hat. Wieviele Ehen wurden nicht geschlossen, weil man an einem bestimmten Tage nicht vor die Tür ging und dort die Angebetete nicht traf und später feststellen mußte, daß sie doch diesen langweiligen Regenschirmfabrikanten genommen hat.
Der richtige Schutz zur rechten Zeit.

Bei Sonne ist schnell ein junges Herz erobert, aber wenn es gießt wie aus Kannen kann man sich schnell einmal naß machen.

Aber noch in einer anderen Art und Weise steuert das Wetter unser Wohlbefinden: Indem es großen Einfluß auf unsere Gesundheit hat. All die Allergiker, die dem Frühling mit den ersten warmen Tagen, in denen die Natur explodiert, mit gemischten Gefühlen entgegensehen. All die Herzkranken, die lieber im Zimmer auf Linderung hoffen, während draußen alle Welt am Strand zerschmilzt. All die Erkältungskrankheiten, die einem freundliche Zeitgenossen per Händedruck im windumpeitschten Herbst gerne überlassen. All die gebrochenen Beine, die ihr Mißgeschick dem Zusammenwirken großer Kälte und großen Wasserlachen verdanken oder auch der Unfähigkeit so mancher, mit Brettern auf weißen Schneekristallen heil einen Hügel hinunter zu kommen.

Da meint man immer: Man müßte doch dem deutschen Winter entfliehen und immer in sonnigeren Gefilden wohnen. Wenn man aber auch nur in Italien lebt, merkt man schnell, daß man sich an die Hitze schnell gewöhnt und schon bei Temperaturen zu schlottern anfängt, bei denen man hierzulande noch in Seen badet. 
Ich kenne Hamburger, die noch bei Kaltwetterfronten in alle möglichen Fluten springen. während man selbst im dicken Pulli staunend zusieht.

Schlechtes Wetter ist ja auch immer noch besser als gar keines, wie ein bayrischer Philosoph einmal bemerkte. Und ganz ohne Wetter wüßte man auch nicht, wann die Tagesschau zu Ende ist. So manches Gespräch würde im Sande verlaufen, noch bevor es begonnen hat. Und ein ganzer Berufszweig wäre arbeitslos; zwar mag man auf die gut bezahlte Raterei der Meteorologen gerne verzichten. 
Aber nicht darauf, über falsche Prognosen zu schimpfen.

Der Wetterbericht war wieder mal mehr Wette denn Bericht.

Es sei, wie es sei: Alle Wetter haben eines gemeinsam: Sie kommen und gehen, wie sie wollen.
Aber niemals, wie wir wollen.

Dem Bauer ist es zu trocken, dem Urlauber zu naß. Dem Mediterranen ist es zu kalt, dem Kreislaufschwachen zu heiß. Dem Ängstlichen ist der Donner zu laut, der Dummkopf fürchtet, er könnte wegen des Blitzes rote Augen bekommen (wie er mit fast jeder Blitzlichtaufnahme auch beweisen kann). Dem Skifahrer fällt zu wenig Schnee, dem Autofahrer zu viel. Dem Sonnenhungrigen ist der Schatten nicht recht, dem Schattenkabinett fehlt der Sonnenkönig.
So hat jeder etwas auszusetzen.

Kaum, daß jemand einmal sagt: Genau dieses Wetter habe ich jetzt gebraucht.
Man hat immer etwas auszusetzen am Wetter.

Aber genau dafür ist es ja da.

 
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