Glück
07 Mai 2009 Über das Glück ist soviel gesagt und geschrieben worden, daß es fast müßig ist, dem ein paar weitere Gedenken beizusteuern. Von Laotse, Konfuzius über Epikur und Hegel bis hin zu Habermas haben Philosophen - allerdings stets im Lichte ihrer eigenen Lebenssituation und Befindlichkeit - immer wieder interessante Antworten geliefert, die Millionen beeinflusst haben. Und trotz dieser Flut an unterschiedlichen Denkansätzen und Lebensentwürfen sind wir tagtäglich mit der Frage konfrontiert, was wir denn eigentlich tun sollten, um glücklich zu sein (oder zumindest zu werden).
Denn kaum jemand handelt bewußt in der Absicht, sich unglücklich zu machen.
Außer, im vermeintlichen Unglück läge sein Glück.
Fest dürfte stehen, daß es keinen einheitlichen Begriff des Glückes gibt. Es gibt das kleine, kurzzeitige Glück, den Glücksmoment, mitten in München einen Parkplatz nahe dem Zielort zu finden oder in der U-Bahn von einem sympathischen Mitmenschen, den man gar nicht kennt, für einen Augenblick angelächelt zu werden, eine Steuerrückzahlung zu bekommen oder einfach nach langen Jahren wieder einmal einen Zitronenfalter herumflattern zu sehen.
Dann gibt es mittelfristiges Glück, so, eine Ausbildungsstelle oder eine hübschen Wohnung zu ergattern, sich einmal gegen den Erzkonkurrenten durchzusetzen mit einem saftigen Auftrag oder auch, über ein Jahr hinweg an seinem Traumboot zu restaurieren, bis es seetüchtig ist.
Schließlich gibt es das dauerhafte Glück. Und das ist das, worauf wir am wenigsten Einfluß haben. Es hängt tendenziell damit zusammen, ob wir einen Partner fürs Leben finden, der zu uns paßt und der, komme, was wolle, stets zu uns hält. Daß wir einen Beruf finden, der uns ausreichend und vielleicht auch ein bißchen mehr ernährt, der uns Spaß macht und uns erfüllt. Daß wir Freunde und ein soziales Umfeld finden, mit dem wir unsere Freizeit, aber auch unsere Sorgen und Nöte teilen können und nicht allein sind.
Diese äußeren Faktoren geben fast alle Menschen, die angeben, glücklich zu sein, als mitbestimmend an.
Es mag auch ohne den einen oder anderen gehen, aber leichter geht es mit allen.
Und das Glück hat auch mit einer Tendenz zum Ausgleich zu tun. Weder zu reich, noch zu arm zu sein, macht das Leben weniger sorgenreich. Allzu Reiche fallen schnell Verbrechern in die Hände, haben Angst um ihren Besitz und müssen allen Bekanntschaften mißtrauen, nicht um ihrer selbst wegen ausgesucht zu werden. Arm zu sein ist oft verbunden mit einem Weniger an Lebensqualität, Ansehen und auch Gesundheit.
Auch ist weder Geiz geil, noch Verschwendungssucht übermäßig empfehlenswert. Freigiebigkeit (was auch Glücksgefühle auslöst), aber auch in einem gesunden Maß an sich selbst zu denken, wird einem das Leben am angenehmsten machen, Geld nicht zum Selbstzweck werden zu lassen, aber auch nicht völlig ohne jeden Sinn für Finanzen außerhalb der Gesellschaft zu stehen.
Bei den meisten Dingen liegt die Wahrheit in der Mitte - vielleicht nicht der geometrischen Mitte - zwischen den Extremen.
Gesund zu sein, steigert die Chancen auf Glück erheblich, wenn ich auch immer wieder schwerkranke Menschen erlebt habe, die nichts weniger als glücklich waren.
Und Glück hat auch nicht nur mit einem selbst etwas zu tun. Auch ein allzu starkes Glücksgefälle zwischen den Seinen und einem selbst ist kein Quell sozialer Freude. Gleich und gleich gesellt sich gerne auch in der Frage des persönlichen Maßes an Glück.
Pessimisten und Optimisten sind selten die besten Freunde.
Und Glück hat oft damit zu tun, für andere da zu sein. So mancher hat seinen Anspruch auf ein bißchen Glück damit erfüllt, daß er anderen geholfen hat, sei es durch kleine Gefälligkeiten oder gar dadurch, daß er sein Leben in den Dienst eines guten Zweckes gestellt hat.
Und eine Wahrheit dürfte jedenfalls sein: Glück ist teilbar und wird dadurch nicht weniger. Wessen Glück vom Unglück eines anderen abhängt, der sucht nicht wirklich das Glück. Aber theoretisch kann jeder der anderen glücklich sein und nimmt einem selbst dabei nichts weg.
Wir alle träumen davon.
Wenn nicht, dann sollten wir unseren Ansatz über den Sinn des Lebens dringend überdenken.
Glück kann darin liegen, an einem schönen Frühlingstag auf der Terrasse zu sitzen und sich ein wenig Gedanken darüber zu machen, wie gut es einem doch geht.
Wer weiß, wie lange noch.
Auch das nicht zu wissen und darüber nicht nachdenken zu müssen, davor aber auch keine Angst zu haben, auch das ist Glück.
Sagt man zumindest vorher.
Wenn es überhaupt ein Nachher gibt.
Das weiß man zum Glück nicht.