Geist
06 Feb. 2009 In einer immer körperlicher werdenden Welt, die vor allem die materiellen Dinge in den Vordergrund stellt, fällt es zunehmend schwer, dem Geist seine gebührende Rolle einzuräumen. Es zählt vor allem, was man hat. Man definiert sich über Sachen, die man besitzt, auch, um nach außen hin zu dokumentieren, wer man ist.
Allerdings kann man sicher nichts Materielles mitnehmen, wenn einem einst die Stunde schlägt.
Warum also zählt das Geistige immer weniger, treten die immateriellen Werte zunehmend in den Hintergrund?
Vielleicht, weil man das Materielle, das, was man anfassen kann, leichter zeigen, sogar messen und beweisbar vorweisen kann. Geistiges zu zeigen ist schwerer. Allerdings: Beruhen nicht viele Errungenschaften unserer Zivilisation auf geistigen Ideen, bevor sie zu etwas Handfestem wurden? Sind nicht unsere alltäglichen Gegenstände wie Automobile, Computer, auch Häuser und Straßen aus den Köpfen innovativer Geister erwachsen, ohne deren Einfälle wir weder fahren noch weltweit kommunizieren, wohnen oder uns schneller fortbewegen könnten, als es unsere körpereigenen Kräfte zuließen?
Wie aber konnten rein geistige Ideen Materie werden?
Hat das Geistige eine Verbindung zum Körperlichen?
Oder gibt es nichts, was reiner Geist wäre? Ist unser immaterieller Geist eine reine Fiktion? Wenn dem so wäre, wären die Dinge, die wir berühren können alles, was wir hätten. Aber sind all die Bilder in unseren Köpfen reine Einbildung? Wobei: Auch die Einbildung ist immateriell. Oder ist sie nur eine zufällige Verschaltung von Synapsen, die uns Bilder in den Kopf holt, die wir nicht vor Augen haben? Ist eine Idee nicht rein geistig? Ist sie eine reine zufällige Ansammlung von Stromstößen im Gehirn, die sich zu einem Bild zusammensetzt, das wir gewissermaßen händisch nachbauen können?
Wenn dem so wäre, sollte es uns gelingen, diese Stromschläge, die im Bereich der Synapsen im Bereich von wenigen Millivolt liegen, künstlich nachzuahmen und damit die Ideenproduktion anzukurbeln.
Aber nein: Ich gehe davon aus, ohne daß ich es beweisen könnte, daß es neben dem Materiellen das rein Immaterielle gibt.
Aber das führt eben zu der Überlegung, daß dann eine Verbindung aufgebaut werden kann zwischen Körper und Geist. Ansonsten könnte man all die auf immateriellen Ideen beruhenden Erfindungen der Menschheit nicht anfassen. Wenn es nun gelänge, diese Verbindung bewußt aufzubauen, man könnte wohl die Welt aus den Angeln heben.
Denn dann könnte man alles, was man sich vorstellen kann, auch in die Wirklichkeit übertragen.
Die Schaltstelle, die gewissermaßen zwischen Geist und Materie steht zu kontrollieren, hieße, den Körper dem Geist unterwerfen.
Denn in Gedanken kann man tonnenschwere Lasten bewegen, was der Körper ohne Zuhilfenahme von schweren Maschinen nicht könnte. Man könnte Körperbehinderten die Möglichkeit geben, sich weitgehend eigenständig zu bewegen, könnte viel Energie einsparen und umweltschonend Lasten tragen ohne Einsatz fossiler Brennstoffe.
Wenn, ja wenn man mittels des Geistes die fassbare Welt kontrollieren könnte.
Leider scheint es im Augenblick genau anders herum zu sein: Die Dinge herrschen über die unfassbare Welt.
Denn man fasst es offenbar nicht, welchen Wert der Geist inne hat.
Aber welchen Wert Dinge haben, das kann man allzu leicht erfassen.