Wirismus
07 Juni 2010Seitdem Viren nicht nur Menschen befallen, sondern gemeinerweise auch Computer, sind sie in aller Munde (Das allerdings waren sie schon immer). Aber der Weg führt auch zurück: Unlängst ließ sich ein Wissenschaftler mit einem Computervirus infizieren.
Das klingt wie ein Witz, ist aber keiner.
Das Gefährliche an Viren ist ihre Wandelungsfähigkeit.
Auch das Wort Viren ist mittlerweile mutiert und schreibt sich mittlerweile in seiner veränderten Form mit "W". Denn man hat sich in Deutschland allenthalben mit dem "Wir"-Virus infiziert, dem Wiren. Erst waren wir nur - oder immerhin - Papst. Wobei man gerechterweise sagen muß, daß in Krankenhäusern, wo Viren auch hingehören, "wir" schon immer im Trend lagen, jedenfalls im Trend der Sprache der Krankenschwestern, wenn wir Fieber gemessen haben oder wir operiert werden mußten (Vergleichen Sie einen meiner vorhergehenden Blogs). Dann sind wir Deutschland, wie Du Deutschland bist, denn wenn jeder Deutschland ist, dann sind es in der Summe wir alle; was durchaus nicht völlig sinnfrei erscheint. In Bayern sind wir ohnehin längst wir, wobei es nicht unbedingt logisch wäre wenn wir nicht wir wären. Dann sind wir Weltmeister und zwar beim Export. Obwohl ich so gut wie nie etwas ins Ausland verkaufe, höchstens mal im oder aus dem Ausland kaufe. Beim Fußball sind wir allerdings nicht einmal Meister der Herzen, da "wir" nur Dritter geworden sind.
Auch da habe ich nicht mitgespielt (nicht einmal auf der Ersatzbank).
Dann sind wir immerhin Europameister der Herzen. Und das nicht einmal unverdient. Wobei das sicher an der guten Form lag, die ich noch vor zwei Jahren hatte. Schließlich sind wir natürlich Lena und demnächst werden wir wohl neuer Bundespräsident sein (auch die Damen, denn eine solche steht nicht zur Wahl).
Ja, da wird uns aber wohl oder übel mitgespielt.
Wir können uns nicht wehren.
Wollen wir wirklich Papst sein oder Lena? Über achtzig oder nochmal achtzehn? Schwach auf den Beinen oder x-beinig? Wollen wir weiße Kleidung tragen oder das kurze Schwarze? Auf Stöckelschuhen, das gestehe ich offen ein, bin ich eher schwach auf den Beinen. Auch weiße Kleidung bleibt es bei mir leider nicht lange.
Wollen wir wirklich immer wir sein?
Die Menschen sind doch sehr verschieden.
Wir wollen nicht alle über einen Kamm scheren.
Wir sind Nichtalleübereinenkammscherer.