Sarraziner
07 Jan. 2011Die Medien gehen zunehmend gnädig mit dem ehemaligen Bundesbank-Vorstandsmitglied Sarrazin um. War der Tenor anfangs noch einhellig negativ, so schimmern jetzt immer wieder Sätze durch wie: Er habe eine wichtige Diskussion angestoßen (wobei die Diskussion bereits geführt wurde, nur nicht so plakativ und populistisch). Dann heißt es, er habe auch Richtiges gesagt (was im Grunde für alle Thesen dieser Welt gelten dürfte).
Was stört, ist etwas anderes.
Die Anhäufung von Zahlen als Anschein der Objektivität täuscht nicht über die dahinter stehende Haltung hinweg.
In der menschlichen Kommunikation ist der reine Inhalt nur der minder gewichtige Anteil des Übertragenen. Wichtiger ist die Haltung, die dahinter stehende Botschaft, die Atmosphäre, die der Kommunikation ihr eigentliches Gepräge gibt. Wichtig ist, was zwischen den Zeilen gesagt wird, mag die reine Semsntik der Worte auch banal sein, so kann die Botschaft dennoch teif sein. Ab gesehen davon, daß die vordergründige Wahrheit nicht immer die richtige Wahl ist, menschlich gesehen. So würde wohl kein halbwegs sensibler Mensch einem Totkranken ins geschwächte Gesicht sagen, wie schlecht er aussieht und ihn damit möglicherweise des letzten Restes an Hoffnung berauben.
Anhäufung von Fakten sind nicht immer human, wenn es um Menschen geht.
Vor allem aber läßt die Haltung von Herrn Sarrazin die christliche Haltung vermissen, die er bei seinem Feindbild Islam gerade vermißt. Grundsätzliche christliche Werte wie Toleranz, Nächstenliebe und Verzeihung spürt man in seinen Worten nicht. Während die Lehre von Jesus Christus dadurch geprägt ist, daß man dem verlorenen Sohn noch einmal eine Chance gibt und das Gewesene vergißt, listet Herr Sarrazin kalt alle Zahlen (seien sie auch noch so althergebracht) auf, die er nur finden kann, um die islamische Welt als gering darzustellen. Was ist mit dem Satz: „ Was ihr einem dieser Geringsten und Schwächsten antut, das tut ihr mir an.“ (Aus dem Buch der Weisheit)?
Wo bleibt der Respekt vor dem Individuum?
Seine Gedanken sind aus Hass geboren, nicht aus den grundlegenden Elementen christlichen Verständnisses.
Im Grunde krankt sein Weltbild fundamental an dem, was er anderen vorwirft.