Seinen Ruf nachhaltig zu zerstören, das gelingt wenigen Menschen so formvollendet wie etwa Herrn Köhler, der (die Älteren werden sich erinnern) vor seinem peinlichen Rücktritt möglicherweise ein ganz passabler Bundespräsident war. Jetzt wird er aber mit keiner seiner Reden oder seinem Widerstand gegen ein paar Gesetze in Verbindung gebracht. Wenn man bei dem Namen nicht überhaupt an den Mann denkt, der im Wald aus einem brennenden Haufen Holzkohle macht, so wird man ihn immer mit seinem letzten Auftritt vor den Medien assoziieren, bei der er die beleidigte Leberwurst auf Präsidentenebene gab.

Und sich verletzt durch leise Widerworte aus seinem Amt selbst herausprügelte.

 

Jedenfalls sah es so aus, als er wie ein gerupfter Vogel das sichere Nest verließ.

 

Besser geht es kaum. Uwe Barschel hat man als verlogenen Ehrenwortgeber, der in einer Wanne Selbstmord beging, in Erinnerung (außer seiner verzweifelten Witwe vielleicht), nicht als erfolgreichen Ministerpräsident irgendeines nördlichen Bundeslandes. Sein Lebenswerk so nachhaltig zu beschädigen, wie auch das Amt, das er bekleidete, das hat nicht einmal der neurotische Howard Hughes hingebracht. All seine legendären Eskapaden gegen Lebensende hin löschten nicht seine Filme und fliegerischen Rekorde aus.

Lothar Matthäus arbeitet gerade daran, seine Vergangenheit als Weltklassespieler vergessen zu machen und sich als dümmster Kurzzeitehemann von dummen, schönen Halbwüchsigen zu profilieren. Wobei ihm jede Wiederholung seiner fußballerischen Erfolge einen Strich durch die Rechnung macht. Immer, wenn über die Weltmeisterschaften berichtet wird, sieht man ihn sein berühmtestes Tor schießen, sieht man ihn siegen und andere mitreißen.

Sogar einem Gioachino Rossini ist es nicht gelungen, durch jahrzehntelanges Kochen (und Essen) seine wunderbaren Opern aus dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen. Und er wird immer noch auf Bühnen weltweit aufgeführt, wogegen seine Kochrezepte allenfalls eine Minderheit bekannt sein dürften.

Wie man sieht, ist es gar nicht so einfach, sich in der Rückschau so blamiert zu haben, daß man alles vorangegangenes Wirken vergißt.

 

Aber jetzt scheint jemand, von dem man es nicht unbedingt erwartet hätte, in dieser Disziplin auf eine gute Idee gekommen zu sein.

 

Herr Langhans, der als Bürgerschreck und Kommunarde, als Vielweiberheld und unangepaßter Wischmob Teil der deutschen Geschichte war, der sogar als Zerrbild dümmlicher 68er in der Werbung (für ein Online-Schuhgeschäft, das er zu verklagen gedenkt) auftaucht, hat sich jetzt dafür entschieden, als Prominenter ins Dschungel-Lager eines Privatsenders zu gehen. Dort muß er zwar nicht Maden essen, weil er Vegetarier ist, aber er wird uns wie seine Vorgänger das Zuschauen madig machen. Was hat ihn bloß dazu bewogen? Steht das unsägliche Quälen von ehemals bekannten Sternchen nicht für das Establishment, das über Tierleichen, wenn es der Quote und damit dem schnöden Mammon geht? Umrahmt und bezahlt von Werbung (unter anderem sicher auch für ein Online-Schuhgeschäft, das er zu verklagen gedenkt), muß er, umgeben von anderen Ex-Prominenten, an seiner Ex-Prominenz arbeiten.

Und das für schnöden Mammon, für Geld also. 

 

Die Revolution frißt ihre Kinder.

 

Oder hat letztlich doch das Spießertum gewonnen, hat es geschafft, die Rebellen in die Dekadenz zu treiben? Haben sich die Ideale des Nonkonformisten so gewandelt? Oder hat das zynische Demütigungs-Fernsehen seine linke Seite entdeckt? Das Sendungsbewußtsein von RTL und Langhans als gemeinsamer Faktor, das Unkonventionelle als Richtschnur für beide, das Erschrecken von harmlosen Bürgern als Klammer, das beide zusammenhält?

Oder doch die Entdeckung der Verlogenheit eines abgehalfterten Revoluzzers, der doch käuflich ist?

 

Wie auch immer: Wird man sich fürderhin an die große Zeit von Herrn Langhans erinnern? Oder macht er den Herrn Köhler und Barschel in den Hitparaden unwürdiger Abgänge Konkurrenz?

Ab Januar können wir das mit Ekel verfolgen.

 

Und zwar gleichzeitig mit körperlichem wie auch geistigem.

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