Rechtsbruchsjubel
04 Mai 2011Die Amerikaner verbuchen allerorten die Liquidation von Herrn Bin Laden als Erfolg. Nicht, daß ich die graue Eminenz hinter diversen Terroranschlägen (juristisch dürfte es sich unter anderem um Anstiftung zum zig-tausendfachen Mord handeln) verteidigen möchte. Aber völkerrechtswidrig und auch strafprozessual problematisch dürfte es allemal sein, einen mutmaßlichen Straftäter ohne jedes Gerichtsverhandlung unbewaffnet zu exekutieren, noch dazu auf extraterretorialem Boden.
Und die Jubelbilder exaltierter Feierbiester in den USA erinnern fatal an die Jubelbilder, wenn in mittelalterlichen Staaten Gläubige ihrem Mut (oder Umut) Luft machen. Das schreckt aber Frau Merkel nicht davon ab, diese moralisch ausgesprochen fragwürdige Vorgehensweise noch öffentlich zu begrüßen.
Es wird insbesondere als großer Erfolg von Herrn Obama gewertet, Osama zur Strecke gebracht zu haben (das ist derjenige, der noch vor Amtsantritt den Friedensnobelpreis verliehen bekommen hatte).
Die Opposition in den Staaten jubelt leise mit und bedauert, daß dies ein gewichtiges Argument bei den anstehenden Präsidentenwahlen sein könnte. Also überlegen die Republikaner, wie sie sich als gute Amerikaner zeigen können und dennoch dem Widersacher (nicht Osama, nein: Obama) ein Bein stellen können. Also besinnen sie sich darauf, daß auch sie sich einer Menschenrechtsverletzung schuldig gemacht haben unter der Ägide von Herrn Bush jr. und behaupten, man hätte das Versteck des meistgesuchten Terroristen der Welt nur ausmachen können, weil man in Guantanamo Häftlinge ohne Rechtsgrundlage festgehalten hat und auch gefoltert hat. Durch das so genannte "Waterboarding" sei dann die Wahrheit ans Licht gekommen.
Und deswegen hätte man Herrn Bin Laden aufspüren und in den verhassten Kopf schießen können.
Sind die Amerikaner eigentlich das einzige Volk auf der Welt, daß damit zu punkten versucht, daß man nicht die Menschenrechte, die man andernorts anmahnt, nicht nur einmal, sondern selbstverständlich mehrmals gebrochen hat?
Nein, es gibt andere.
Aber die geben wenigstens zu, keine Demokraten zu sein.