Immer wieder erstaunlich, mit welchen Mitteln Menschen an ihrer Meinung kleben bleiben. Ernsthafte Diskussionen scheitern oft schon daran, daß die Menschen nicht wirklich ernsthaft diskutieren wollen, sondern auf Biegen und Brechen ihren Standpunkt verteidigen, sei er auch noch so wacklig. Aber von Anfang an wird allein auf Fehler des Diskussionspartners gelauert, werden dessen Argumente ignoriert oder schlicht auf Stichworte quer zur Fahrtrichtung eingestiegen. Die geballte Rhetorik wird ausgepackt, die nur einen Sinn hat: Den Gegner möglichst schnell zu Boden zu ringen.
Warum das alles?

Wünscht man keine inhaltliche Auseinandersetzung mehr?

Wo die Bälle hin und her geworfen werden, wo man sich gegenseitig zu Wort kommen läßt, anhört und darüber auch reflektiert. Anscheinend nicht. Und das Internet scheint jener Platz zu sein, wo man sich anonym hinter einem Avatar verstecken kann, nicht für den Unsinn und die Beleidigungen, die man schreibt, zur Verantwortung gezogen werden kann (dies zumindest annimmt) und sich wie ein König fühlt, selbst, wenn man als Diskussionspartner eher ein Bettelmann ist.
Verkommt die Gesprächskultur?

Ohne Smileys und Abkürzungen analog-verbal kommunizieren kommt langsam aus der Mode.

Es wird verlernt, im internationalen (oder zuweilen auch streng regionalen) Datenbrei. Damit werden die Computer gefüttert und deren Anwender allesamt wieder zu schlabbrigem Zeug essenden Kleinkindern. Kunststück, das Internet steckt noch in den Kinderschuhen. Wobei man langsam aus der Krabbelkind-Phase herausgewachsen sein sollte. 
Aber das wächst sich aus.

Bildtelefon macht's möglich.

Wenn erst nur noch mit Bild oder Videosequenz kommentiert werden kann, wird man sich wieder ein wenig mehr zurücknehmen mit den Kindereien.
Oder auch nicht.

Wer will schon alle Idioten in ihrem Hausanzug (wahlweise Schlaf- oder Trainingsanzug) unrasiert inmitten leerer Pizza-Schachteln und Cola-Dosen vor seinem Monitor lümmeln sehen.
Wer würde ihre Schein-Argumente dann noch Ernst nehmen?
 
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