Was gibt es nicht alles für Krankheiten. Und täglich werden neue entdeckt. Ein Arzt meint, ein paar herkömmliche Symptome zu einem neuen Syndrom zusammenfassen zu müssen. Dann gibt er der neuen Krankheit einen lateinischen Namen und hofft, daß sie einst unter seinem Namen bekannt werden wird. So wie heute kein Mensch mehr Herrn Doktor Alzheimer oder Parkinson mehr kennen würde, hätten sie nicht das Glück gehabt, daß eine oder mehrere ihrer Zeitgenossen nicht so viel Glück hatten.
Jedenfalls gesundheitlich.

Wenn man davon lebt, daß es anderen nicht so gut geht. Und davon sogar gut lebt.

Aber zum Leben gehören Krankheiten dazu, denn wenn keiner krank würde, man würde die Gesundheit nicht mehr zu schätzen wissen. Wobei es für einen Zustand, der nur deswegen existiert, weil er ein Gegenteil hat, keinen Namen geben müßte. 
Wenn es keinen Krieg gäbe, man hätte wohl kein Bedürfnis, den Frieden als solchen zu bezeichnen. 

Also braucht es neue Worte, denn die Gesundheit könnte sich ja sonst durchsetzen.

Und es gilt, dem unhaltbaren und wenig lukrativen Zustand der Gesundheit neue Bereiche abzutrotzen. Viele Menschen wüßten gar nicht, wie krank sie sind, wenn ein eifriger, aber noch unbekannter Arzt ihnen nicht eine noch unbekannte Krankheit andichten würde. Solche Menschen würden womöglich bis an ihr Lebensende vital und unbeschwert durch ihr Dasein gehen, nicht ahnend, daß ihr Glück eigentlich schon längst vorbei ist, während sie sich in Unbefangenheit und Glückseligkeit wähnen.
Aber warum müssen nur immer Ärzte neue Krankheiten entdecken?

Ich habe auch ein neues Syndrom entdeckt.

Und ich mußte dafür nicht einmal fremde Menschen quälen. Weil ich die neue Krankheit selbst habe. Entdeckt habe ich die Krankheit übrigens, als ich mal wieder einen dieser Kinder um mich hatte, die völlig ungerührt von jeder Erziehung alles dürfen und alles machen, was man eigentlich nicht dürfen und machen sollte.
Jedenfalls nicht, wenn man andere Menschen mit eigenen Bedürfnissen um sich hat.

Sie nerven, sie lärmen, sie belästigen. Aber sie haben ja eine Entschuldigung, die alle Kinder, die man früher schlicht als Plagen bezeichnet hat, heute haben: Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, kurz auch als "ADS" oder, wenn einem danach ist, um ein "H" erweitert, als "ADHS" bezeichnet. Das hat heute jedes Kind, was medizinisch nicht nachvollziehbar, aber eine tolle Ausrede ist, Kindern bei Bedarf Psychopharmaka zu geben oder in der Straßenbahn eine gute Ausrede zu haben, warum man seine Nachkommen nicht zurückpfeifen kann.
Dagegen kann man nichts machen.

Tut mir Leid, aber das ist Schicksal. 

Man muß einfach aushalten, daß diese Kinder einen anschreien und beleidigen, anfassen oder gar anspucken. Wenn man nicht selbst an einer Krankheit leidet.
Und diese gibt es seit heute.
Ich gebe ihr den langen Namen im Titel, kurz "ADHSI".

Es bezeichnet die körperlich wirkende Intoleranz gegenüber unaufmerksamen Kindern. Statt also deren Unannehmlichkeiten still erdulden zu müssen, kann man nun diesen Bälgern mit aktiver Gegenwehr entgegentreten. Drohungen gegen Leib und Leben genügen hierbei meist, zu brutalen Tätlichkeiten muß es nicht kommen.
Jedenfalls nicht zwangsläufig.

Man kann zwar kaum die fehlenden Maßnahmen der Eltern in kurzer Zeit nachholen.

Zumindest aber kann man sich Ruhe verschaffen. Und Respekt. Und wenn mehr Leute die Krankheit an sich entdecken, dann hat man in aller Regel auch die Rechtfertigung auf seiner Seite. Ich kann nichts dafür, ich verteidige nur meine Gesundheit und meine körperliche Unversehrtheit.
Vielleicht kuriert das auch die Kinder besser als bislang.

Jedenfalls besser als mit Medikamenten. 
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