Wer sagt denn, daß alles immer teurer wird. Diejenigen, die ständig jammern, früher wäre das Leben soviel billiger (und wohl auch deswegen schöner) gewesen, muß man darauf verweisen: So manches Grundnahrungsmittel kostet heute so viel wie zur Zeit der Währungsreform. Richtig, das war 1948. Das glauben Sie nicht (nicht, daß die Währungsreform 1948 war, sondern, daß auch nur irgend etwas nicht deutlich hochpreisiger ist als damals, in der guten, alten Zeit)?
Doch: Etwa die Milch. Kalzium für die Knochen, alkoholfrei, mit wertvollen Inhaltsstoffen. Und natürlich, kommt aus der Kuh.

Deren Preis ist seit 1948 nicht gestiegen.

Wie ist das möglich? Wo doch die Lebenshaltungskosten seitdem unermeßlich gestiegen sind, genauso übrigens wie die Einkommen. Nur die der Landwirte offenbar nicht. Wie war das noch mit Angebot und Nachfrage (die Nachfrage muß gestattet sein)? Gibt es soviel mehr Angebot oder ist die Nachfrage so stark gesunken? Zum einen hat sich die Rentabilität (sprich: Was aus einer Kuh am Tag herausgeholt wird) gerade in Deutschland um bis zum Zehnfachen gesteigert, zum anderen kann man Milch aus billigeren Gegenden importieren und es gilt auch Milch nicht mehr als unabdingbar für kleine Kinder. 
Gesüßter Tee im Tetrapack tut's schließlich auch.

Man sollte aber bei allem Mitleid für den armen Bauernstand nicht vergessen, daß dieser zu den am höchsten subventionierten gehört. Von direkten Subventionen aus den reichhaltigen Töpfen der EU über die verminderten Preise bei Benzin hin zu den reduzierten Steuersätzen beim Einkommen verarmen die Landwirte nicht wirklich. Sie wohnen in aller Regel umsonst und können sich auch einen Fuhrpark und Modernisierungen leisten, die sich mancher Privatmann nicht leistet, erinnert sei an den Hang zu umfangreichen Solaranlagen auf Stalldächern.
Von den Werten von Immobilien, die sich zuweilen vergolden lassen, ganz zu schweigen.

Mag der Bauernstand wichtig für die Allgemeinheit sein, so ist es doch die eigene,persönliche Entscheidung, Landwirt zu werden oder zu sein. Kaum jemand aus einem anderen Berufsstand wirft der Allgemeinheit vor, von seiner Tätigkeit nicht leben zu können (Friseurinnen können davon ein Lied singen). Wenn einen sein Beruf nicht ernährt, muß man halt den Beruf wechseln. Weil man keinen zwingen kann, nicht Landwirt zu werden. Weil man darauf keinen Einfluß hat, sollte insoweit auch die Folge der Berufswahl nicht die Gesellschaft treffen, die gefälligst Bauern zu unterstützen hat, wenn diese nicht nach eigenem Verständnis ausreichend verdienen.
Jeder ist seines Glückes Bauer. 

Wie die Ärzte, die allen Protesten zum Trotze dieses Jahr mehr verdient haben, ist das Jammern auf hohem Niveau. Auf subventioniertem Niveau.
Wer achtet da noch auf die Armen, auf die Sozialhilfeempfänger, auf die Pflegebedürftigen, auf die Rentner auf Hartz-IV-Niveau?

Wenige.  
Zurück zu Home