Beförderung
19 Juni 2009 Es ist angeblich das Ziel aller Beschäftigten, in den Hierarchien aufzusteigen. Als wenn man nicht zufrieden mit seiner augenblicklichen Situation wäre. Vorwärtskommen setzt im Gegenteil ein gewisses Maß an Unzufriedenheit voraus. Und Unzufriedenheit ist eigentlich nicht das, was der Vorgesetzte gerne sieht bei seinen Mitarbeitern. Denn man sollte sich für seine Arbeit einsetzen und nicht nur für sich selbst und sich von seiner eigentlichen Aufgabe distanzieren.
Mit bloßer Arbeit zu punkten dürfte auch nicht genügen.
Denn Beförderung ist auch eine Frage guter Kontakte und der Eigenwerbung.
Wer nur durch seine Arbeit auf sich aufmerksam macht, ist möglicherweise nicht so einfach von seiner gegenwärtigen Stelle wegzuloben, wenn es nicht auf Kosten der Produktivität gehen soll. Denn der Laden muß am Laufen gehalten werden. Und Unterbrechungen durch die nötige Einarbeitung neuer Kräfte bringen das Uhrwerk ins Stocken.
Also kann man nur eher unwichtigere Planstellenbesetzer für höhere Aufgaben entbehren.
Das ist der Grund, warum nicht selten auch einmal eher weniger geeignete Leute wegbefördert werden, wenn sie an ihrer gegenwärtigen Aufgabe eher gescheitert sind.
Zudem fallen Behördenleitern nicht immer diejenigen Mitarbeiter ein, die gute Arbeit leisten, sondern vor allem diejenigen, die sie oft zu Gesicht bekommen. Und sei es am Stammtisch oder in der Kantine. Oder, weil man immer im Urlaub des Chefs dessen Blumen gießt (so etwas gibt es tatsächlich).
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Dieser Satz gilt nicht nur für die Liebe.
Auch in der Arbeitswelt macht der Ton die Musik, nicht die Anstrengung, wie man ihn erzeugt. Mißtöne werden auch durchaus registriert, Harmonie, selbst gekünstelte, ist immer besser als eigene Meinung, die nicht ganz mit der des Vorgesetzten korrespondiert. Schon, wenn man über ein Witzchen des Bosses nicht lacht, kann das Abzüge in der B-Note bringen. Und der Chef ist, der, der zu Befördernde zumindest vorschlägt, wenn nicht sogar faktisch auswählt.
Und so erhält man sich einem zugeneigte Mitarbeiter.
Der unsichtbare Mitarbeiter macht seine Arbeit ohnehin.
Und, wenn er nicht aufpaßt, demnächst unter jemandem, den er geraume Zeit mitgeschleppt hat, dessen Arbeit er miterledigt hat, während dieser sich höheren Ortes Pluspunkte holte.
Hätte sich der Unterlegene mal lieber um das gekümmert, was wirklich ist bei der Arbeit: Das Vorwärtskommen.
Nicht das Angekommen sein und Sich-Wohlfühlen.
Denn der Ehrgeizige kommt nie an, denn jede Stelle ist nur die vor der nächsten. Nach der Beförderung ist vor der Beförderung.
Wer bloß arbeitet, hat schon verloren.