Einstand
18 Juni 2009 Was beim Sport einen erfreulichen Gleichstand impliziert, ist im Behördenalltag eine eher unerfreuliche Unsitte, gegen die man sich nur auf Kosten allseitiger Unbeliebtheit wehren kann. Ansonsten muß man in den sauren Apfel beißen und alle Kollegen verköstigen. Denn das bedeutet Einstand: Eine Einladung mindestens zu einem Imbiß, in Mode kommt ein richtiges Essen mit allem Drum und Dran. Wer gedacht hätte, es wäre wie ein Sechser im Lotto, in den sicheren Schoß des Staates zu gelangen, der irrt. Am Anfang ist es ein herbes Verlustgeschäft.
Und dieser Verlust ist desto größer, je größer die Behörde, bei der man anfängt.
Bereits bei mittelgroßen Behörden muß man tief in die noch leere Tasche greifen.
Und das gilt auch und insbesondere für den Behördenleiter, auf den noch zumindest die Behördenspitzen der örtlichen Institutionen zukommen, also als Esser dazukommen: Bürgermeister, Polizei und was weiß ich noch alles. Presse ist auch da, wenn jemand Wichtiges anfängt, manchmal auch, wenn dem nicht so ist, aber das Buffet danach ist.
Da kommen schon ein paar Mitesser zusammen.
Und wo schon der Chef sich nicht lumpen läßt, kommt auch der kleine Mitarbeiter nicht aus.
Allerdings ist man nur einmal mit Kosten belastet, ansonsten der Nutznießer der nirgendwo fixierten Regelung. Gerade in Behörden, in denen die Fluktuation hoch ist, finden oftmals Einstände statt. So kann man recht kostengünstig leben, wenn man nur einmal gewissermaßen als Eintrittsgeld einen Einstand bezahlt hat. Und, wo ein Einstand ist, ist auch ein Ausstand, das heißt, auch der scheidende Kollege ist in der Pflicht. Hierbei kann man auch den Personenkreis kaum bestimmen. Denn solch eine Veranstaltung ist weder ein Zeichen von Wertschätzung (man muß auch diesen Miesepeter einladen, der allen das Arbeitsleben schwer macht), noch von besonderer Nähe zum Neuen oder Ausscheidenden - geschweige denn von Freundschaft.
Auch, wenn man die Typen ansonsten niemals zu Gesicht bekommt: Zur Feier sind sie alle da und fallen ausgehungert über das Buffet oder das auf neudeutsch "Catering" genannte Liefergut des nächsten Metzgers her.
Auch müssen Reden geschwungen werden, aber die lassen sich mit ausreichend Bölkstoff im Magen leichter ertragen.
Und so kann man sich als Langgedienter von einem Einstand zum nächsten hangeln, kann sich den Bauch vollschlagen und muß zudem während der Feier keinen Finger rühren, wird aber weiter bezahlt. Zwar bleibt die Arbeit liegen, aber diejenigen, die ausschließlich nach Zeit bezahlt werden und ihre Stunden nur herunterreißen, sehen das eher gelassen. Man lebt nur einmal. Und auf einer (oder eine) Schweinshaxe kann man nicht stehen. Hm, das Buffet vom Meier letzte Woche war aber reichhaltiger. Hat nicht so gut geschmeckt, aber die Portionen waren größer (und das allein zählt).
Natürlich ist man nach einem solchen Gelage ziemlich müde, also ist für den Rest des Tages wenig Konstruktives zu erwarten.
Morgen ist auch noch ein Tag. Wenn nicht zufällig ein Einstand stattfindet.