Schwimmen
06 Juni 2009 Welch ein unschuldiges Vergnügen, im Sommer im Wasser zu schweben. Der Körper wird gleichzeitig leicht und trainiert. Und sauber. Wenn man ihn denn in der Öffentlichkeit zeigt. Nachdem man im Winter reichlich Gelegenheit hatte, reichlich Winterspeck anzusammeln (Tiere machen das im Herbst, um über den Winter zu kommen, Menschen machen das im Winter, um über denselben zu kommen), kann man im Schwimmbad die Rettungsringe (die man ohnehin nicht mal anfassen sollte, jedenfalls die rot-weißen), nicht mehr unter drei Lagen Kleidung verbergen.
Das sähe zumindest merkwürdig aus und würde auch beschwerlich im wahrsten Sinn des Wortes.
Man will sein Fett weg haben, es aber nicht zeigen So hat man sein Fett schon weg, bevor es überhaupt die Möglichkeit hatte, weg zu kommen.
Egal. Wer schaut schon die anderen an. Wenn man selbst die anderen ansieht (huch, machen die anderen das auch?), schwimmt da eine Menge an Fett oben auf der Wasseroberfläche. Meist handelt es sich um betagtere Damen (wer hat eigentlich denen die Scheu, sich zu zeigen, wegtrainiert?), die in Reihe schwimmen, quasi in Formation. Aber langsam genug, um miteinander zu reden. Anscheinend hat man außerhalb des Wassers wenig Gelegenheit, um sich über banale Nichtigkeiten auszutauschen. Jedenfalls muß man deshalb eine Art Barriere bilden, damit diejenigen, die mit der Fettverbrennung schon früher begonnen haben, auch ja nicht durchkommen.
Aber damit kommen sie nicht durch, die Damen.
Aber dann haben sie gleich Gelegenheit, sich über diese Rüpel im Wasser zu beschweren.
Wer wird denn im Wasser schwimmen wollen, wo es doch bekanntlich ausschließlich dazu dient, sich mit anderen fettleibigen zu unterhalten. Schwimmen soll ja so gesund sein.
Warum man aber nicht schlanker wird, obwohl man doch so lange schwimmt, ist unerklärlich.
Und wichtig ist, den Kopf über Wasser zu behalten. Chlor soll ja so ungesund sein für die Augen. Mögen die Ärzte auch Tauchzüge empfehlen, dem Rücken zuliebe, rote Augen sind nicht nur auf Fotos unangenehm (aber da kann man sie wenigstens elektronisch entfernen). Und Schwimmbrillen stehen nicht jedem. Und auch der Frisur wäre es nicht zuträglich, nur allein dem Rücken zuliebe den Kopf in das Wasser zu strecken. Wer achtet schon auf den Rücken, aber alle Welt achtet bekanntlich auf altbackene Frisuren altbackener Damen. Zudem würde das Wasser das billige Parfüm abwaschen, das es gilt, über die Wasseroberfläche zu verteilen.
Was tut man nicht alles für die Gesundheit.
Noch mehr aber tut man für die nicht mehr ganz so ersichtliche Schönheit.
Ja, Schwimmen ist eine so unschuldige Tätigkeit. Im Wasser zu schweben, das belebt die Sinne und lüftet die Gedanken. Und trainiert den Körper.
Wer sagt denn, daß man Autoscooter nur auf Volksfesten genießen kann.
Da prallen Welten aufeinander. Buchstäblich.