Reich und berühmt zu sein, das scheint das Ziel der meisten Menschen zu sein. Wobei das auch auf Herren von Ackermann bis Zumwinkel zutrifft, aber hier ist nur die finanzielle Seite positiv besetzt, die Seite des Bekanntheitgrades ist jeweils mit einem kleinen Makel belegt.
Wenn man berühmt sein will, dann will man auch beliebt sein.

Nicht wie dieser griechische Verlierer, der allein deshalb in die Weltgeschichte eingegangen ist, weil er eine große Bibliothek angezündet und Wissen für Jahrtausende vernichtet hat.

Aber auch positiver Ruhm hat einen Haken: Je weiter oben man auf der Leiter steht, desto weniger Privatleben hat man. Das mag positiv sein für Menschen, die es allein auf diese Art der ständigen Beobachtung abgesehen haben. Aber für alle anderen, die gerne auch einmal unbemerkt in der eigenen Nase bohren wollen, ist es ein Ärgernis, rund um die Digitaluhr im Fokus digitaler Kameras zu stehen.
Und jede Gefühlsregung landet in einem Hochglanzmagazin und wird eingehend begutachtet.

Meist von Hobbypsychologen.

Dennoch bewundern viele Unbekannte die Berühmtheiten gerade ihrer Berühmtheit wegen (eine Gleichung mit vielen Unbekannten und fast so vielen Bekannten). Einmal so im Rampenlicht zu stehen und in peinlich knappen Sonderanfertigungen über rote Teppiche schreiten, umringt von unzurechnungsfähigen Anhängern, das ist der Traum so mancher Menschen, die es gewohnt sind, immer nur die zweite Geige - nein, nicht zu spielen, sondern höchstens im Radio zu hören. Wenn man auch nur jemanden näher kennt, der auch nur annähernd als bekannt gilt, ist das mitunter schon ein Grund, selbst als prominent durchzugehen. Wenn man sogar schon einmal mit einem Sternchen Flüssigkeiten ausgetauscht hat, ist auch einem selbst der Weg zum Ruhm in dieser ruhmreichen Zeit geebnet. Denn man kann mit seinen Enthüllungen, denen man gerne noch ein paar Details von einem guten Imageberater beimengen und dazudichten läßt, an die erstaunte Öffentlichkeit gehen.
Die keinesfalls darüber erstaunt ist, daß  sich irgendjemand auf dieser sinnentleerten Welt für derartige Banalitäten interessiert.

Sondern immer wieder gerne Geschichten hört, in denen es um Sex und Drugs und Prominenz geht.

Auch mit zwei wahllos ausgesuchten Komponenten aus dieser heiligen Dreifaltigkeit kann man schon weit kommen, aber alle drei auf einmal sind in der Regel wie ein Dreier im Lotto der Eitelkeiten. Für ein paar Geschwätz-Schauen im Präkariatsfernsehen am Vormittag reicht das allemal, denn der gewöhnliche Sozialhilfeempfänger sieht gerne ehemalige Leidensgenossen, die einen Weg aufzeigen, wie man aus dem Schlamassel hinauskommen könnte. Wer einmal mit dem richtigen pennt, der gehört schon zum Establishment.
Das ist einer von uns, der hat's geschafft.

Und dazu mußte er nur über wen auch immer hinwegkommen.

Dabei ist man selbst höchstens berühmt für Bierseligkeit oder, wenn man Glück hat, für Mutters Apfelkuchen. Wenn man Pech hat, ist man berühmt dafür, schon einmal in einer Zweitverwertungssendung für Peinlichkeiten auf Zelluloid als Idiot der Woche vorgeführt worden zu sein. Auch so ist so mancher schon zu seinem Viertelstündchen an Prominenz gekommen, hat irgendein Liedchen über seine Dummheit in den Hitparaden plazieren können und verdingt sich bis ans Ende seiner Tage als Animateur bei einem Fernsehsender, der davon lebt, daß andere Dumme bei lächerlichen Gewinnspielen mitmachen, bei denen es allein darum geht, möglichst viele Dumme zum Anrufen zu bewegen.
Muß ich doch anrufen, wo der Moderator doch ein Promi ist.

Wenn man nicht schnell anruft, kennt den kein Mensch mehr.

Man glaubt auch gar nicht, wieviele Arbeitsplätze dadurch gesichert werden, daß herumlungernde Prominentenjäger halb erfundene Geheimnisse über die Halbprominenz dieser Scheinwelt ausgraben. Kaum erscheint der Star einmal ungeschminkt, ist das jedenfalls eine Nachricht wert. Aus jedem Bauchansatz kann man wahlweise eine Schwangerschaft oder fehlende Selbstdisziplin infolge persönlicher Probleme konstruieren, aus jeder Falte Alterserscheinungen und Suchtprobleme. Wenn der Stern allein angetroffen wird, hat er sich mit Sicherheit von irgendjemandem getrennt, wird er mit irgendeinem X-Beliebigen gesichtet, sind wilde, sexuelle, x-beliebige Ausschweifungen zu vermuten.
Jedenfalls steht es so unter den Bildern in den Illustrierten.

In der Annahme, daß das von den Lesern mit einem gewissen Hang zum Analphabetismus ohnehin nicht gelesen wird, sondern allein die Bilder angeschaut werden, wie moderne Comics. Wer außer grenzdebilen Schulabbrechern würde sich auch für die ewig gleichen unscharfen Bildchen von scharfen Kurven antun.

Wer lesen kann, liest Bücher.

Wer aber Boulevardmagazine durchblättert, sitzt gelangweilt beim Friseur oder hat keine spezielle Ausrede, diesen Unsinn zu betrachten. Und wer den Unsinn betrachtet ohne ein Gefühl von Scham, der hat nicht den notwendigen Intellekt, um über dies unsinnige Interesse an hohlem Schein nachzudenken.

Dahinter steckt selten ein kluger Kopf.

Wer die Berühmtheit anderer Menschen verfolgt, der stützt diese Berühmtheit durch sein Interesse. Wer berühmt ist allein aufgrund des Interesses, der hat als Anhänger auch keine klugen Köpfe verdient.
Und auch jeder Anhänger hat die Idole, die er verdient.

Und die er versteht. 
Zurück zu Home