Essen ist etwas, was man sich kaum abgewöhnen kann, auch, wenn so manches Essen zum Abgewöhnen wäre. Aber auch teilweises Abgewöhnen täte so manchem in dieser Hinsicht Verwöhnten gut. Jedoch: Schlechte Angewohnheiten wie zu viel Essen kann man nicht von heute auf morgen, nicht mal auf übermorgen, ändern.
Und so füllen sich viel zuviele zunehmend die Bäuche, ohne ein wirklich erfülltes Leben zu führen.

Denn wer ständig unnötige Last mit sich herumschleppt, wird bald selbst zur Last. Jedenfalls für sich selbst.

Wenn ich mir vergegenwärtige, daß so mancher Zeitgenosse gut dreißig Kilogramm mehr auf die Waage bringt als ich, dann ist das doch eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität. Wenn ich mir überlege, daß ein Kasten Bier mit allem Drum und Drin etwa fünfzehn Kilogramm wiegt, dann ist das, als würde ich ständig zwei Kästen Bier mit mir herumschleppen.
Daß das die Lebensfreude ein wenig trüben würde, ist nachvollziehbar.

Kein Wunder, daß da so mancher sich sein Schicksal erleichtern will, indem er auch noch viel trinkt. 

Aber was ich zum Raumgewinn von Schlaflosen vorgeschlagen hab, gälte auch hier: Wenn man sich das Essen völlig versagt - und das gibt es erstaunlicherweise tatsächlich - spart man sich einen Raum, den man nicht mit teuren Küchenmöbeln und Kochutensilien zustellen muß. Auch muß man nicht ständig zum Supermarkt laufen und für teures Geld schwere Dinge holen, die zudem noch leicht verderben. Man spart auch einiges an Klopapier und Geschirr samt Besteck.

Wieviel leichter gestaltet sich da ein Umzug, nur mit Kleidung, einem Bett, einem Schreibtisch und einem Schrank; naja, vielleicht noch ein Regal für den Fernseher und die Stereoanlage. Aber eben kein zerbrechliches Geschirr einpacken und hoffen, daß es unversehrt ankommt. Kein rostendes Besteck oder gar Silberbesteck, auf das es Einbrecher abgesehen haben könnten. Keine ernährungsbedingten Krankheiten und auch die Klamotten von vor zwei Jahren passen nächstes Jahr noch.

Man braucht sich auch keine dieser unsäglichen Kochsendungen mehr anzusehen im Fernsehen und muß nicht mehr Einladungen fürchten, bei denen man netten Freunden keineswegs sagen darf, was man von ihrer Nouvelle Cuisine so hält. Denn man hält sich zurück und an einem Glas Wasser fest und ißt nichts angebranntes, versalzenes oder halbrohes, zähes.

Eine Utopie, denn rund um einen (und man selbst, wenn man ehrlich ist, auch) schlingen die Leute Unmengen an üblen Stoffen in sich hinein und wundern sich dann, wenn erst das Hemd spannt, dann einem einer die Frau ausspannt. Wo doch dicke Menschen schöner sind, weil sie angeblich keine Falten kriegen (eine These, die auch nur vorsichtiger Betrachtung nicht standhält). Nein, man kann Vielfraße nicht beschönigen, nicht mal verbal. Die inflationäre Beanspruchung der "schweren Knochen", der Veranlagung oder auch der Euphemismen wie "vollschlank", "ein wenig mollig", gemütlich gepolstert" oder auch "ein paar Gramm mehr auf den Rippen" täuscht niemanden darüber hinweg, daß man mit diesem Zustand nicht zutiefst glücklich ist.
Wer entsprechend veranlagt ist, sollte halt auf seine Veranlagung Rücksicht nehmen.

Dabei ist die Formel ganz einfach: Wer nicht mehr ißt als er verbraucht, der nimmt nicht zu.

Da hilft auch Oberflächenkosmetik und geziertes Abspreizen des kleinen Fingers beim Kaffeetrinken wenig: Essen will geübt sein und der fehlerhafte Umgang mit Nahrung und das Überhören der körpereigenen Signale, das jahrelange Vernachlässigen der eigenen Bedürfnisse und die Überfütterung führt weder zu mehr Schönheit, noch zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Auch angeblich so betörende Dessous-Shows fetter Damen wecken keine Gelüste, wo die Natur den Partnern beigebracht hat, bei der Partnerwahl auch auf die Fähigkeit zu achten, den Nachwuchs tatkräftig und andauernd aufziehen zu können.
Man weiß nie, wo die Liebe hinfällt. 

Aber man weiß oft, wo der Hase hinläuft. 
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