Politikkorrektur
05 Mai 2009 So mancher tut sich schwer, Menschen, deren Vorfahren aus Afrika stammen, nicht mit Ausdrücken zu belegen, die einen gewissen Unterton haben, es handele sich nicht doch um Menschen, die nicht ganz so wertvoll sein könnten wie sie selbst. So ist auch der unschöne Ausdruck "Neger" nicht aus allen Stammtischen herauszubringen. Oft ist man dort entrüstet und meint, so habe man diese Menschen schon immer genannt, was sollte sich daran geändert haben.
Ja, früher hat man Kleinwüchsige auch als "Liliputaner" bezeichnet und Roma und Sinti als "Zigeuner".
Ich weiß, so mancher denkt hier: Auch das ist nicht verkehrt.
Ist es doch, auch wenn politische Korrektheit die Welt nicht leichter gemacht hat. Aber warum sollte eine Wahrheit auch leicht sein, wenn sie das wäre, wäre vermutlich schon längst ein kluger Kopf auf die absolute Wahrheit gekommen. Der Gedanke ist, schlicht mit den Worten auch die Denkweise aus den Köpfen zu verdrängen. Auch wenn das nicht jedem paßt, aber diejenigen, die noch so denken, sterben irgendwann aus, so hofft man und es bleiben nur die, die diese Art der geistigen Diskriminierung gar nicht kennen.
So zumindest die Idealvorstellung.
Sicher, die Welt ist nicht ideal.
Aber das ist noch längst kein Grund, alle Dämme brechen zu lassen. Man kann zumindest hinarbeiten auf eine bessere Welt, zumindest einen Millimeter, auch das bringt in der Summe einen Schritt in die richtige Richtung.
Und die Borniertheit der Bierdimpfl sollte nicht der Maßstab sein, an der man sich selbst mißt.
Auch werden manche entgegnen, daß gerade die junge Generation mit den üblen homophoben Tendenzen etwa im weißen Hiphop und Rap, alle Frauen als Schlampen, alle Homosexuellen als krank und alle Farbigen als "Nigger" zu besingen, nicht für die Verwirklichung dieser Hoffnung spricht. Einen Erz-Proleten wie etwa Bushido allerdings als Maßstab für gesellschaftliche Denkweisen heranzuziehen, wäre zynisch.
Aufzugeben, nur weil sich nicht allerorten etwas sofort durchsetzt, ist auch nicht humanistisch.
Ideen sind nicht deswegen falsch, weil sich nicht alle, die von der Provokation leben, nicht daran halten.
Sicher kann man politische Korrektheit auch übertreiben. So manifestiert der "Innen"-Wahn der letzten Überlebenden der harten Feministinnen eine Trennung von Mann und Frau, wo man doch eigentlich eine Gleichberechtigung fordert und Männer und Frauen auf Augenhöhe bringen will. Hier wären geschlechtsneutrale Formulierungen gefragt, nicht, daß sich unter wahllosen Gruppierungen auch Frauen befunden haben. So ist es etwa unerheblich, welchen Nachrichtenwert es hat, nicht nur von Passanten, sondern von PassantInnen zu sprechen, als wenn die Tatsache, daß jemand vorbeigeht, noch die Information verlangt, es haben sich Personen beiderlei Geschlechts darunter befunden. Auch der Nichtraucherschutz schließt wohl auch Frauen ein, auch ohne Innen-Ansicht.
Aber es geht auch noch absurder.
Die Forderung etwa, es müßten gleichviel Frauen- wie Herrenfahrräder auf den Straßenschildern abgebildet werden, erscheint ein wenig überkandidelt.
Jedenfalls sollte man auf die verschiedenen Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, allerdings sollte man dann auch Rücksicht der verschiedenen Personengruppen auf einen selbst erwarten dürfen. In einer multikulturellen Gesellschaft sind viele Interessen unter einen Hut zu bringen. Es ist schon viel erreicht, wenn soziale Ruhe herrscht, jedenfalls verbal. Die Stimmung durch unangebrachte Begriff anzuheizen, ist kein Akt intelligenten Sozialverhaltens. Der Gedanke der Toleranz verlangt Nachsicht und das auch in der verwendeten Sprache.
Zumindest sollte man dies versuchen.
Und nicht auf sein Recht pochen, ein kleinkarierter Gestriger zu sein.