Sich ein wenig Abstand von täglichen Einerlei und beruflichem Mehrerlei gönnen, die Familie und tausend Koffer in ein kleines Auto pfropfen und zwei Wochen in einem fremden Bett schlafen, darauf arbeitet nahezu die ganze Bevölkerung hin; ausgenommen die, die weder ein Auto, noch eine Familie oder nicht mal eine Arbeit haben. Die besteigen dann Züge, schließen sich Zufallsgesellschaften an oder faulenzen der schönsten Jahreszeit einfach entgegen.
Mal so richtig ausspannen vom Trott, denn man hat oder auch nicht. 

Alles hinter sich lassen und feststellen, daß das doch gar nicht alles ist; da gibt es noch mehr als das alles.

Aber es erwarten einen beileibe nicht immer Erholung und Ruhe. Oft ist der Urlaub begleitet von Streß und Hektik, man nimmt sich einiges vor, was man auf keinen Fall schaffen kann, muß mehr Interessen unter einen Strohhut bringen, als man Personen mitnimmt und verbringt viel Zeit mit seinem Ehegatten, den man zuweilen erst dann so richtig kennen lernt.
Und umgekehrt. 

Nicht abgelenkt durch Mühsal und Arbeit findet man schnell zu lautstarker, gestörter Kommunikation.  

Was hatte man sich nur erwartet? Ruhe, Sandstrand und azurblaues Meer. Dann findet man Baustellenlärm, Kiesstrand und sieht das Meer vor lauter Badenden nicht. In Reih und Glied stehen die Sonnenschirme und alle zehn Minuten verkauft jemand billige Uhren oder teure Melonenstücke. Kindergeschrei, wohin man hört und statt daß es im Land, wo die Zitronen blühen, auch nach Zitronenblüten duftet, hat man ständig diesen künstlichen Zitronenduft aus deutschen Chemiefabriken in der Nase, mit dem die Sonnenöle parfümiert sind. Zwischen Quallenbiß und Sonnenstich noch schnell ein wenig Sonnenbrand geholt, auf daß man heute Nacht nicht weiß, wie man im Bett liegen soll.
Macht nichts, die Mücken werden einen ohnehin nicht schlafen lassen. 

Die Kinder wollen Unmengen Eis und irgendwelche Wassergefährte ausleihen, welche dauernd knatternd die Stille, die nicht herrscht, mit Unmengen fremder Kinder durchbrechen. Frisbees und Bälle in allen Größen und Gewichtsklassen zischen an dir vorbei, während du dich langsam auf dein Zuhause zu freuen beginnst. Die Ruhe fehlt dir, diese Harmonie.
Ach, in der Arbeit geht alles seinen gewohnten Gang.

Da kann man sich von Urlauben wie diesen erholen.

Nach zwei Wochen hast du wirklich ein bißchen Arbeit nötig. Du kommst braun und gutgelaunt am Arbeitsplatz an, wobei deine Kollegen diese Launen fälschlicherweise für Erholung halten. Sie fragen dich: Na, schon was für nächstes Jahr geplant? Die Aussicht auf den nächsten Urlaub läßt deine Laune abrupt abkühlen. Dies halten die Kollegen fälschlicherweise für ein Zeichen von Frustration angesichts deiner Rückkehr ins Berufsleben und trösten dich: Keine Bange, der nächste Urlaub kommt bestimmt.
Gut gemeint.

Aber leider vergeblich. 
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