Farblosigkeit
08 Feb. 2009 Während im Tierreich vor allem die Männchen mit Farbe glänzen und die Weibchen eher unauffällige Feder- und Pelzkleider tragen, um sich gut getarnt um den Nachwuchs kümmern zu können, ist es beim westlichen Menschen genau umgekehrt: Da dürfen vor allem die Damen, sogar bei gesellschaftlichen Anlässen mit Farbe glänzen, während von den Herren erwartet wird, sich farblich dezent zu verhalten. Da muß Mann sich mit grau, beige oder allenfalls dunkelblau begnügen. Männern, die sich anders kleiden, die etwa die viel geschmähten Hawaii-Hemden zu tragen wagen, tragen das Stigma schlechten Geschmackes mit ihrer Farbwahl mit sich herum.
Warum ist das so?
Stände es nicht auch der Männerwelt zu, sich lebensbejahend zu kleiden, insbesondere, wenn man nicht erzkonservativ ist? Aber einen leuchtend rot gekleideten Beau zu sehen erregt eher Abscheu denn allgemeine Zustimmung. Frauen in knallroten Kleidern hingegen werden gern gesehen und steigern auch den sexuellen Appetit. Der bunte Mann aber kann sich sicher sein, heute Nacht eher allein zu schlafen. Sein Pfauenkleid mag bei Pfauen funktionieren, aber die Damen der Schöpfung reklamieren die Farbigkeit für sich.
Das hat zur Folge, daß sich Männer eben andere Gebiete aussuchen, um beim anderen Geschlecht zu punkten. Sie kaufen sich in jeder Hinsicht umweltgefährdende Karossen, züchten sich, gegebenenfalls unterstützt durch die moderne Chemie, Muskelmassen an und arbeiten sich zu Lasten ihrer Gesundheit hoch, um eventuell mit Geld und sozialem Status auf sich aufmerksam zu machen. Für die Umwelt und ihre Gesundheit wäre es womöglich besser, sie müßten nur farbig leuchten, um Eindruck auf mögliche Sexualpartner zu machen.
Wieviele PS-Protze blieben der Menschheit erspart, wenn Männern knallige Farben zugestanden würden. Wieviele Muskelprotze würden vielleicht auch ein wenig mehr Zeit haben für geistige Werte, wenn man sie auch durch leuchtende Farben gelten lassen würde.
Aber so ist das eben: Die Damen beanspruchen für sich, durch Farbe im Mittelpunkt zu stehen.
Den Herren bleibt nur, sich im grauen Anzug in die lange Reihe anderer Anzugträger einzureihen und höchstens mal bei der unvermeidlichen Krawatte ein paar Farbtupfer in ihren Kleidungsstil zu bringen. Diese Krawatten werden allerdings meist von weiblicher Hand ausgesucht, nicht, daß der als zweitklassig eingestufte Geschmack sich wieder durchsetzte, die Krawattenfarbe allzu hervorstechend zu gestalten.
Denn Farbe ist den Frauen am Körper und den Malern auf der Leinwand vorbehalten.
Männer mögen knallrote Sportwägen fahren und quietschbunte Steroide in sich hineinschütten. Aber Mut zur Farbe bei der Kleidung ist eher ein Selektionsnachteil. Dezente Farben sind das Gebot der Stunde, wenn man ankommen will in der westlichen Welt. Männer in Hawaiihemden werden niemals einer großen Firma oder gar einem Land vorstehen.
In Afrika ist das anders.
Afrika gehört die Zukunft, sagen manche. Nur: Wenn Afrika in Zukunft mitspielen will im internationalen Geschäft, werden sich die Männer dort ebenfalls in Tarnanzüge werfen. Mögen viele Tarnanzüge jetzt Soldaten gehören, bald werden sie in anthrazitfarbenen Tarn-Anzügen mit Krawatten herumlaufen und sind dann auch im 21. Jahrhundert angekommen.
Wetten, daß?
Vielleicht ist die Farbigkeit der afrikanischen Männer einer der Gründe dafür, daß man Afrika hierzulande wirtschaftlich noch nicht so für voll nimmt?
Aber Afrikaner haben auch Kinder, dort scheint Farbigkeit von Männern Frauen nicht abzuschrecken.
Warum dann bei uns? Manchmal wünschte ich, wir wären so weit wie Afrika.