Google mausert sich zu einem Phänomen eigener Art. Und damit ist nicht die allumfassende Medienmacht des amerikanischen Unternehmens gemeint. Vielmehr setzt das Ansinnen, die Welt virtuell zu erfassen, eine Gegenbewegung an angstbesetztem Widerstand in Gang, die ein neues Wort erfordert: Angstgoogeln? Googlephobie? Googleismus?

Und wie phantasievoll die Argumente sind, die gegen Streetview vorgebracht werden.

 

Man meint sogar, die Welt gehöre Gott, nicht Google.

 

Stellt Google das etwa in Frage? Strebt Google doch die Weltherrschaft an? Oder ist es verboten, sich Abbilder der Welt zu machen, die einem ja nicht gehört? Sind Abbilder der Welt Götzenbilder und damit Todsünden? Dann habe ich schon oft gesündigt. Ich sollte alles löschen und die alten Papierfotos alle verbrennen. Was mir irgendwie so vorkommt wie die Bücherverbrennung in kleiner Zeit. Die Nazis hatten vor wenig soviel Angst wie vor der Macht des geschriebenen Wortes. Und nun die Angst vor dem fixierten Bild?

Angst war schon immer ein schlechter Berater.

 

Wobei Google natürlich auch allen Einbrechern und solchen, die es werden wollen, ein Poesiealbum an Herausforderungen bietet.

 

Das Haus sieht gut aus, das sollten wir mal besuchen. Wobei man das auch in Natur ausbaldowern kann. Google zeigt im Grunde ja nichts, was man nicht von öffentlichen Wegen aus ohnehin sehen kann. Und ob in einem Gebäude etwas zu holen ist sieht man dem Objekt von außen nicht immer an. Jedenfalls kann man Streetview weder Passwörter für Alarmanlagen noch die genaue Position der Wertgegenstände entnehmen. Und so mancher Reiche ist clever genug, sein Haus nicht nach außen protzig aussehen zu lassen, sondern sein Geld lieber für die Inneneinrichtung zu verwenden. Angeber werden vielleicht dagegen hauptsächlich nach außen hin wirken wollen und im Verborgenen den werten Dieben wenig bieten können.

Und wenn dem nicht so sein sollte, ändert Google daran nichts.

 

Der Datenschutz ist auch nicht gewährleistet?

 

Google sagt nicht, wer wo wohnt. Das kann man dem Telefonbuch besser entnehmen, gegen das der Protest aber unverständlicherweise ausbleibt. Millionen stellen bei Facebook Fotos ihrer Saufgelage ins Netz, aber die Außenfassade des Eigenheims ist plötzlich ein Staatsgeheimnis? Der Schutz von Daten hat in der allgemeinen Hysterie einen derart hohen Stellenwert, der noch über Leib und Leben oder Gesundheit geht. Selbst Raser auf der Autobahn glauben sich durch die Radaraufnahmen der Polizei in ihren elementaren Rechten verletzt. Und Hausbewohner glauben an das Recht am eigenen Bild. Mein Haus, mein Bild vom Haus. Mein Auto, meine Entscheidung, wie schnell ich fahre.

Keiner darf mir zusehen.

 

Aber darf ich dann meinerseits alles andere sehen? Fernsehen, Internet und die analoge Welt mit allen Gebäuden? Darf ich das Haus meines Nachbarn anschauen? Oder ist das ein Eingriff in seine Privatsphäre? Mißtraut er mir und nimmt an, ich wollte ihn nur ausrauben? Sein gottgewolltes Heim, abgebildet in meinen weltlichen Augen, ist das eine Sünde?

Eine Sünde, die ich jeden Tag begehe.

 

Und damit nicht genug: Ich werde mir sein Haus sogar später im Netz anschauen.

Könnte ja sein, daß es dann anders aussieht.

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