Netzkarrieren
03 Mai 2011Was hat es nicht schon alles für Berühmtheiten gegeben, die wir dem Netz zu verdanken haben. Berühmtheiten, die nie welche waren, aber sich nach einer Million Klicks freundlicher Gesichtsbucher wenigstens so fühlten. Menschen, die verwackelte Amateurfilmchen bei DuTube eingestellt haben und über Nacht unberühmt wurden (und bei Tag betrachtet auch nicht bekannter sind).
Die wenigsten davon schlagen hieraus Kapital, schon gar nicht längerfristig.
Und jetzt der unberühmteste Statist aller Zeiten: Jesse Heiman.
Er hat in fast 140 Filmen und Serien neben Stars gestanden und seine herausragende Qualität in den Augen vieler Besetzer ("diese Filmrolle wird instandbesetzt"- man verzeihe mir diesen Kalauer) war wohl seine auffällige Unauffälligkeit. Es bedurfte unzähliger Rollen im Schatten von Leonardo Di Cabrio, Monk und Spiderman, um nun von einem eifrigen Filmschauenden entdeckt zu werden. Da, im Hintergrund, das ist ja immer derselbe, pausbäckige Teenager (wobei er ihn Wahrheit schon untraubare 32 Jahre als ist), der den Hintergrund mit nichts als sich und seinem neutralen Blick durch eine dicke Brille füllt. Er war sogar in einem Film über Gesichtsbuch selbst zu sehen, wenn das kein Treppenwitz der Internetgeschichte ist.
Warhol läßt grüßen.
Allerdings scheinen die berühmten 15 Minuten sich auf einige Sekunden länger auszudehnen.
So saß infolge des DuTuben-Filmchens der Gute schon bei Herrn Leno auf der Besetzungscouch und träumt von einem Film, in dem er derjenige ist, der wider Erwarten und aller Hollywood-Klischees zum Schluß das Mädchen kriegt.
Während wahrscheinlich im Hintergrund ein weiterer Prototyp eines Nerds ins Leere schaut und sich wünscht, einmal so zu enden wie er.
Wenn er jetzt überhaupt etwas anfängt, was neidvoll enden könnte. Denn das ist noch nicht sicher.
Das Netz vergißt angeblich nichts.
Dafür aber vergißt es doch schnell.