Hassprediger
14 Sept. 2012Es fällt schwer, ruhig und vernünftig zu bleiben angesichts der Unruhen in der islamistischen Welt wegen eines minderwertigen Films, von dem wohl nur ein "Trailer" existiert. Der Islam zeigt wieder einmal eine Facette, die weit entfernt von Toleranz ist. Was, wenn umgekehrt nunmehr im Westen als Reaktion hierauf Botschaften des Jemen, von Tunesien oder Ägypten angegriffen würden?
Wenn ein billiges Propaganda-Filmchen über Jesus gedreht würde, was wäre die Folge?
Allerdings kann man stolz darauf sein, daß dies hierzulande nicht passiert.
Der Maßstab kann nicht die extreme Situation der Straße sein. Meinungsfreiheit und Toleranz sind Werte, die durch Aufstände nicht verteidigt, sondern in Frage gestellt würden.
Aber ist der Islam schon soweit, dies auch zu respektieren?
Man ist geneigt zu glauben: Nein.
Allerdings läßt man sich dabei durch die Bilder von Fanatikern, die als Mob Gewalt und Zerstörung säen, leiten. Das aber kann gerade nicht der Königsweg sein. Man darf eine Religion nicht über die verblendeten Idioten definieren. Wenn man solch einen Maßstab auf das Christentum anlegte, sähe dieses auch nicht eben gut aus. Hier muß man unterscheiden und die gemäßigten Gläubigen im Auge haben, nicht die Extremisten. Auch die (angeblich) christlichen Chaoten, die Haß verbreiten und Anschläge verüben, prägen doch dieses Bild, das wir vom Christentum haben, gerade nicht. Nicht die Inquisition oder Hexenverbrennung, nicht Kreuzzüge oder absolutistischer Fundamentalismus sind das Fundament christlicher Werte, sondern das Bild von der anderen Backe, die man auch noch hinhalten soll.
Man klammert also die Schattenseiten des eigenen Glaubens aus, wenn man diesen beschreibt.
Warum also werden die Schattenseiten des Islam betont, wenn man diesen beschreibt?
Es ist sicher ein Kreuz mit der Toleranz, wenn man Bilder wie die Erstürmung einer Botschaft des Mob ertragen muß. Aber man sollte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Denn jetzt den Weg der Intoleranz zu gehen, reißt gerade jene Errungenschaften ein, wegen derer man das freizügige Leben hierzulande dem Leben in fundamentalistischen Staaten vorzieht.
Wer dies als Vorwand nimmt, den Islam zu bekämpfen, wird sich möglicherweise irgendwann in der Rolle wiederfinden, selbst der Bekämpfte zu sein.
Toleranz ist schwerer zu leben als Eindimensionalität. Aber das sollte kein Grund sein, sich deswegen von Werten zu verabschieden, die man hochhält und die uns unser Leben gewährleisten.
Man muß auch demjenigen eine Chance geben, der im Schatten steht.
Bevor der Schatten auf einen selbst fällt.