Es gibt in den Medien zwei Arten, mit Prozessen umzugehen: Die öffentliche Voverurteilung. Oder den öffentlichen Freispruch. Entweder legt sich die schreibende Zunft auf die Schuld des mutmaßlichen Täter fest, etwa im Falle Vera Brühne, Amanda Knox oder auch O.J. Simpson. Oder sie entheben den Angeklagten jeder Verantwortlichkeit, so im Falle Mollath. Manchmal sind die Ansichten auch geteilt, etwa im Falle Kachelmann.

Aber selten legen sich Journalisten nicht zumindest auf eine Tendenz fest, was iher subjektive Wahrheit betrifft.

 

Warum eigentlich?

 

Ist es wichtig, sich auf eine Seite zu schlagen, ansonsten man keine Attitüde inne hätte? Warum berichten angeblich seriöse Zeitungen nicht neutral, indem sie nur die bislang bekannten Fakten präsentieren? Warum spielt etwa im Falle Mollath der ansonsten so hoch gehaltene Aspekt der Gewalt gegen Frauen kaum eine Rolle, während er bei O.J.Simpson alles entscheidete? 

So manche Presseorgane lassen sich durch Details, die bislang der Öffentlichkeit verborgen geblieben waren, in eine Ecke drängen, aus der sie im Laufe der Berichterstattung nicht mehr heraus finden. Da entpuppen sich vormalige Lichtgestalten als Menschen mit Makeln, während aus normalen Menschen fast schon Heilige werden. O.J. Simpson etwa war bis zu seinem Verfahren allenthalben beliebt, als erfolgreicher Sportler, sogar als Schauspieler. Ein Herr Mollath dagegen war völlig unbekannt, während er mittlerweile fast den Status eines Märtyrers besitzt.

 

Ich will mich hier nicht festlegen, wer von den aufgezählten schuldig oder unschuldig ist, weil ich dazu zu wenig Fakten kenne. Ich möchte auch aus den wenigen Fakten nicht öffentlich ein Bild stricken, das nur auf Schuld oder Unschuld schließen läßt. Ich wundere mich nur, wie Journalisten, die ohne Rechtskenntnisse und mit Wissen aus zweiter oder dritter Hand Legenden erzeugen, die allgemeingültig erscheinen.

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