Banalhorror
01 Dez. 2010Wenn man sieht, wie sich Teile der Medien gerne in Superlativen überschlagen, wundern den weniger geneigten Leser Wortverunglimpfungen wie "absolutest" oder größtmöglichst" oder auch die Bezeichnung als neudeutsch "Superstar" für eine kleine Sternschnuppe mit der Halbwertszeit einer Sternschnuppe kaum noch.
Aber auch der übermäßige Gebrauch von Worten, die eher ultima ratio sein sollten, nutzt deren Sensationswirkung stark ab.
So etwa der Gebrauch des Wortes "Horror".
Eigentlich ist damit ein Gefühl des Unheimlichen (von lat "horror, horroris" - "Starren", "Schauder", "Grausen") gemeint. Und das war ursprünglich dem wirklich Schrecklichem vorbehalten. Aber was ist inzwischen nicht alles Horror: Das mag ja für einen Verkehrunfall mit mehreren Toten noch angehen. Aber, wie man zuweilen auch lesen muß (eigentlich nicht muß, aber man kommt manchmal nicht daran vorbei), daß etwa auch neudeutsche "Outfits" der "blanke Horror" (also noch eine Steigerung desselben) sind, dann mag man sich schon fragen, ob es den Menschen nicht zu gut geht. Denn wie kann man - wenn auch nicht unbedingt ästhetische - Kleidung als Grauen empfinden? Und wie kann es solchermaßen auf einer Stufe beispielsweise mit Leichenteilen stehen, die aus einem tragischen Verkehrsunfall resultieren?
Könnte man also einen Horrorfilm mit grenzwertigen Klamotten drehen (im wahrsten SInn des Wortes also eine "Klamotte"), der allein daraus besteht, daß man eineinhalb Stunden Stofflichkeiten der geschmacklosen Art präsentiert? Bringt man damit furchtsame Zeitgenossen zum Gruseln?
Oder ist nicht vielmehr diese Art der geschmacklosen Wortverschluderung, die jemanden, der Sprache noch empfindet, zum Gruseln bringt?
Überspitzt formuliert: Der moderne Gebrauch des Wortes "Horror" ist ein solcher (nämlich ein Horror).