Alleinerziehung
10 Feb. 2009 Mütter oder - immer öfter: - Väter, die sich ohne Partner um ihre Kinder kümmern, nennt man "alleinerziehend". Offenbar ist den Behörden kein besserer Begriff eingefallen. Alleinzahlend sind sie nicht, wenn sie noch Unterhalt von einem getrennt lebenden Vater oder - immer öfter - von einer getrennt leidenden Mutter bekommen oder auch der Staat für den Unterhalt teilweise oder insgesamt aufkommt.
Dennoch ist der Begriff "alleinerziehend" irreführend.
Dennoch ist der Begriff "alleinerziehend" irreführend.
Denn faktisch gibt es keine ausschließliche Erziehung durch nur eine einzige Person.
Erziehung ist der Versuch, einem heranreifenden Menschen das Handwerkszeug mitzugeben, ein selbstbestimmtes, unabhängiges und auch glückliches Leben führen zu können. Das gelingt nicht immer. Aber selbst bei ungünstigen Bedingungen wird aus Halbwüchsigen viel öfter als Pessimisten unken ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft.
Allerdings fragt sich bisweilen, welcher Gesellschaft.
Auch die Vermittlung von Werten ist ein Ziel guter Erziehung.
Und beim Heranwachsen sind eine Unzahl von Faktoren beteiligt, die auf den nach Orientierung suchenden jungen Menschen einwirken. Da sollte zum einen die Schule sein, die ihre Aufgabe zuweilen ganz passabel, wenn auch durchaus verbesserungswürdig, wahrnimmt. Zwar geht so mancher Jugendliche nicht allzu gern in diese Institution.
Aber im Grunde nimmt jeder Eindrücke und Einblicke in die große und kleine Welt auch aus der Schule mit in den Spaß des Lebens.
Dann sind es die Freunde, die gerade in der Pubertät immer wichtiger werden, an denen man sich orientiert, seinen Geschmack und den Aufstand gegen das Establishment probt und auch viel Freizeit verbringt. Das bleibt nicht ohne Wirkung, denn gerade der Gruppendruck unter Pubertierende ist nicht zu unterschätzen. Auch sind Freunde immer mehr der Anlaufpunkt für Probleme, die man mit Erwachsenen nicht erörtern kann oder will und orientiert sich an deren guten oder auch weniger guten Ratschlägen, was so zu dem einen oder anderen Jugendvergehen führt.
Aber auch Vorbilder werden hier nachgeahmt.
Dann sind da noch die Medien, deren Einfluß auf Menschen, die noch auf der grundlegenden Sinnsuche sind, nicht zu unterschätzen ist. Das Fernsehen mit all seinen Höhen und leider auch schwindel- und Sonstiges erregenden Untiefen und das Internet lassen Weltsichten entstehen, die am Zeitgeist und der Werbeindustrie orientiert sind. Zuweilen kann man zwar allzu kurz- von ansatzweise weitsichtigen Dingen weniger gut unterscheiden. Aber man sucht sich doch heraus, was in eine Kerbe schlägt, die einem gefallen könnte.
Manche werden vereinzelt sogar Bücher lesen, was auch Werte vermittelt und zum Nachdenken und zur Entwicklung beitragen mag.
Und neben alldem versucht der sogenannte Alleinerziehende auf sein Kind einzuwirken und wundert sich dann, wenn aus dem Sprößling kein ethisches Abziehbild des eigenen Ichs wird. Da werden Abkömmlinge linker Alternativer zu Nazis, da entwickelt der Sohn des Superspießers plötzlich künstlerische Interessen. Da tritt der Sohn des CSU-Bürgermeisters plötzlich in die Partei der Grünen (oder schlimmer noch: der LINKE ein). Da interessiert sich der Liebling der esotherisch angehauchten Kräuterhexe wie aus dem nichts für mathematische Berechnungen, will der Sohn des Mechanikers auf keinen Fall Handwerker werden.
Wo er das wohl her hat?
Von mir hat er das nicht.