Wie kann die Zeit nur? Wie kann sie sich nur wenden? Und gegen wen? Dreht sie sich dann um und läuft in die Gegenrichtung? Wie ein Ruderboot, das sich den gefährlichen Untiefen in Ufernähe nähert? Alle Mann kehrt, jetzt geht es wieder Richtung Geburt. 
Und alle Mitfahrer werden je jünger, je näher das gegenüberliegende Ufer rückt.

Nicht mehr gegen den Wind, sondern mit ihm.

Nein, Zeitenwenden stellen markante Punkte dar, in denen sich nicht die Zeit, sondern die Umstände ändern. Eine Umständenwende also. Die Zeit als solche aber schreitet stur und konsequent voran, wie eh und je. Keine Spur von Umkehr, die Zeit kennt nur eine Richtung. 
Und das ist die: Dem Ende entgegen.

Der Weg ist das Ziel.

Aber das Ziel liegt im Dunklen. Wo man es kaum wahrnimmt. Man ist an Bord und wendet nie. Links und rechts gleiten alle Möglichkeiten an einem vorbei, aber man hat kaum Zeit, sie wahrzunehmen. Stattdessen hofft man auf ein gutes Ende, weiß aber genau, daß die Reise tödlich enden wird. 
Noch leben wir.

Die Zeit wird zeigen, wie lange noch.

Solange wir nicht die Kurve kriegen und dem Tod irgendwann ein Schnippchen schlagen. Die Medizin arbeitet daran, die Kriegsindustrie arbeitet dagegen. Wir können Schiffbruch erleiden durch Unfälle, wir können irgendwann schnöde aus dem Boot geworfen werden, schließlich ist es bekanntlich schon so lange voll.
Oder wir kommen irgendwann an und merken: Dort ist das Gras auch nicht grüner.

Vielleicht ist dort nur ein wenig heißer (daß das auf Erden jetzt schon so ist, daran arbeiten die Industriegesellschaften schon lange).

Wenn nicht endlich die Zeitenwende kommt. Oder zumindest die Zeitenwände kommen, an denen man zerschellt. Und man hofft, dort nie angekommen zu sein, wo man ohnehin nie hin wollte.
Aber jeder von uns unterwegs ist.

 
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