Jeder kennt es und es ist Spottobjekt zahlreicher Satiren: Die Sprache der Krankenschwestern. Statt den Patienten distanziert zu siezen oder distanzlos zu duzen, kleiden sie jede Aussage in ein "Wir". Wir messen Fieber, wir sehen heute schon besser aus, jetzt müssen wir aber zur OP. Wobei das Fiebermessen tatsächlich so einseitig nicht ist, denn ohne Mitwirkung des Patienten kann die Schwester sich das Thermometer wohl selbst wie auch immer; sie mag sich auch heute selbst besser gefallen als gestern und zum Operationssaal muß man wohl geführt werden. Oder gerollt. Da geht die Krankenschwester also auf jeden Fall mit.

Grund für das skurrile Wir-Gefühl dürfte jedoch ein anderer sein.

 

Denn die tapfere Helferin kann ja nicht jeden X-Beliebigen einfach duzen. Und die dritte Person Plural, die unsäglicherweise im Deutschen als Höflichkeitsform gilt, suggeriert ja, daß man über mehrere Personen spricht, die eigentlich gar nicht da sind. Aber man will seitens des Klinikpersonals dem Gast das Gefühl geben, im Mittelpunkt zu stehen. Er soll wissen, daß man sehr wohl weiß, daß er da ist. Und man will gleichzeitig sein Vertrauen gewinnen, insbesondere, wenn man dicht und intim an seinen Körper heran möchte.

Da wäre eine Kombination aus vertrauensvollem "Du" und respektvollem" Sie" die Quadratur des Kreises.

 

Allein, das bietet die deutsche Sprechwirklichkeit nicht an.

 

Also weicht man auf des "Wir" aus, um Solidarität zu vermitteln. Wir sind ein Team, wir sitzen alle im gleichen Bett.

Und das wird schon.

 

Wir finden das durchaus sympathisch.

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