Jede Jahreszeit hat ihre Farben. Der Winter erscheint in eisblau und geizt ansonsten mit der Palette eines bunten Daseins. Das Laub, eben noch im herbstlichen Farbenrausch, verwittert in dunkelbraun, wenn es überhaupt unter einer dicken Schneeschicht zu sehen ist. Die Sonne ist kalt, sogar an klaren Tagen seht sie allenfalls mattgelb am Himmel.
Wärmen wird sie erst wieder im Frühling.

Nun beleuchtet sie höchstens das Eis, den Schnee und die Kälte.

Eiszapfen schmelzen ein wenig, aber die Stille und Starre geht dem Land nicht aus den Gliedern. Es präsentiert sich dick vermummt, den Blick gesenkt, den Atem neblig umwölkt von feinster Zuckerwatte. Weihnachten steht vor der Tür, aber man macht sie selten auf, damit die Kälte nicht auch noch Besitz von den Häusern ergreift. Der Himmel ist selbst an strahlenden Tagen allenfalls stahlblau, ansonsten grau und nachts schwarz und erdrückend. 
Die matschigen Wege erstarren erfroren und knirschen bei jedem Schritt.

Aus der Kleidung sieht man nur Gesichter, manchmal nur halbe, hinter dicken Schals rot anlaufen.

Die Blicke gehen ins Leere. Die Kälte hat auch die Herzen erfaßt. Noch schnell ein paar späte Geschenke eingesammelt, dann schleunigst zurück an den heimischen Ofen, hier draußen verpaßt man wenig. Nur ein paar Unentwegte rauchen im Freien, während man drinnen in lodernde Flammen oder flackernde Fernseher starrt.



Ergänzung vom 23.12.09: Meine liebe Frau meint dazu: "Sehe ich anders." 
Zurück zu Home