Früher, als man noch nicht erwachsen war, vor der Zeit, als man sich aus pubertären Gründen der - hoffnungslos dekadenten - Weihnachtsstimmung versagte, da kam man eher in eine solche. Kein Wunder, wurde man doch schon im Spätherbst langsam auf Weihnachten eingestellt. Zum einen wurde man angehalten, allerlei Weihnachtsschmuck in der Schule zu basteln. Weihnachtssterne aus glitzerndem Papier oder glänzendem Stroh. Dann lockten natürlich zwei Wochen Weihnachtsferien.
Wenn man Glück hatte, mit ordentlich Schnee.

Und man bekam natürlich etwas geschenkt. In Massen, insbesondere von allen Opas und Omas.

Und man mußte sich selbst hierfür kein Bein ausreißen. Man mußte auch nicht durch zig Kaufhäuser hetzen, um irgendeinen Wunsch zu erfüllen. Etwas Selbstgemachtes war Geschenk genug. Darüber freuten sich die Erwachsenen jedenfalls mehr als man sich selbst über nützliche Geschenke.
Die Socken von Oma und Opa zum Beispiel.

Von denen erhoffte man sich Gutscheine oder Bargeld.

Außerdem bekam man spätenstens am Monatsletzten des November einen Adventskalender. Der mußte nicht einmal Schokolade enthalten. Das mag heute Standard sein, früher waren nur allerhand Bildchen zu sehen. Die waren transparent und leuchteten, wenn man den Kanlender wirklich mit Tesafilm ans Fenster gepinnt hatte.
Heute habe ich keinen Kalender mehr.

Das heißt, natürlich habe ich einen Kalender. Aber da stehen nur allerhand berufliche Termine drin. Und keine Bilder mehr. Und der menschliche Kalender weiblichen Geschlechts, der mir zu Hause die privaten Termine mitteilt, gibt zwar ein hübsches Bild ab, ist aber ganz und gar nicht durchsichtig, zumindest durchschaue ich ihn nur in seltenen Einzelfällen, so sehr ich sie auch vor das Fenster halte.
Nein, man wird als Erwachsener nicht mehr ausreichend auf Weihnachten vorbereitet.

Höchstens, wenn man selbst kleine Kinder hat.

Aber wenn diese groß sind und von Weihnachten nichts halten als die Hand auf, wenn es Geschenke gibt, dann fällt auch diese Inspirationsquelle weg. Der letzte Rettungsanker sind allerhand Weihnachtsfeiern. Alle Vereine und beruflichen Verpflichtungen, die man hat, locken schon ab Spätherbst mit Festen, in denen wenig Weihnachtsstimmung, aber viel Alkohol verbreitet wird. Manchmal wird musiziert oder auch ein griabiges Geschichterl vorgelesen.
Aber meistens wartet man erst auf den Braten, dann mit einem kleinen Praller auf.

Ja und dann müssen noch die Besuche koordiniert werden, wer wann wen heimsucht. Wobei das meist eher von der besseren Hälfte mitgeteilt wird. Dann hat man damit immerhin keine Arbeit. Man braucht damit dann auch nicht einverstanden zu sein.
Aber wehren kann man sich dagegen auch nicht.

Wann ist Weihnachten?

Erst, wenn es dann vorbei ist, merkt man: Wie schön war das doch, als man klein war. Oder trügt einen nur die Erinnerung?
Wie wird man sich wohl an das kommende Weihnachtsfest erinnern?

Oder gar nicht?

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