In der Hetze der Zeit, die man heutzutage nicht mehr hat, verrinnt diese zwischen den Fingern. Und zwischen den Tagen, denn kaum ist Weihnachten vorbei, da ist schon das neue Jahr da, dann Ostern, und ehe man sich versieht, ist der Sommer da und schon vorbei und wieder geht es mit Hochgeschwindigkeit auf Weihnachten zu. 

Früher war das anders.

 

Da dauerte allein die Adventszeit ewig.

 

Jeden Tag durfte man ein Fensterchen am Adventskalender öffnen. Und jeden Tag lag noch eine Ewigkeit zwischen dem Heute und dem Heiligen Abend. 

Aber da war man noch Kind.

 

Und diese kindliche Wahrnehmung der Zeit hing damit zusammen, daß man noch nicht alles wahrnahm, weil man Vieles noch nicht wußte und für vieles noch nicht verantwortlich war. Aber man sammelte Wissen. Und Erinnerungen. An Zeiten und Ereignisse. Und an Weihnachten. Warme Erinnerungen an Menschen und Riten und Geborgenheit.

Welche Erinnerungen sammeln die Kinder heute?

 

Welche Erinnerungen geben wir ihnen mit?

 

Sie, die das Geschehen diktieren, auf die es die Industrie und auch die Medien abgesehen haben? Suchen sie die wahren Werte oder nur die Warenwerte, im Glauben, sie hätten schon alles erlebt und wüßten schon alles? Weil man ihnen ständig suggeriert, wie wichtig sie doch sind. Weil man ihnen ständig einimpft, daß sie das Sagen haben, die Zukunft sind und sich nicht beirren lassen sollten. Nicht von Lehrern, nicht von ihren Eltern, die das Elterndasein auch nicht gelernt haben. Nicht durch Bücher, die sie nicht mehr lesen. Sie nehmen die Zeit als einzige Party wahr, nur unterbrochen durch Geschenke an Weihnachten, Ostern, ihrem Geburtstag und neuerdings auch an Helloween. 

Eine Kette emotionsloser Höhepunkte.

 

Irgendwann werden sie aufwachen und erwachsen sein.

 

Sie mögen eine Zukunft haben. Aber eine echte Vergangenheit haben sie nicht.

Nicht einmal eine echte Gegenwart.

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