Weihnachten gilt gemeinhin als das Fest der Familie. Davon sprechen die Soziologen und auch die Kriminalstatistiken (weil das enge Aufeinandersitzen alle möglichen Aggressionen zutage führt). Allzu viel davon ist ungesund. 
Aber man kann sich ja fast ein Jahr von Weihnachten erholen.

Bis es einen wieder einholt.

Wer aber keine Familie hat oder sich von seiner losgesagt hat, der hat es an Weihnachten noch schwerer als sonst im Jahr. Die Pilskneipen und auch die Hospitäler sind voll von Menschen, denen Weihnachten wenig mehr als Alkohol und das Gefühl grenzenloser Leere ist. Sie haben wenig Vorfreude auf ein Fest, das sie ihre Einsamkeit noch deutlicher spüren läßt. Mancher mag sich als viertes Rad am Wagen irgendwelchen Bekannten aufdrängen, um wenigstens Heilig Abend ein wenig Gesellschaft zu haben.
Oder doch in die Stammkneipe?

Wo die Stammbesetzung sich feiertagsbedingt doch ein wenig ausgedünnt zeigt.

Und man starrt den ganzen Abend in sein Bier, denn die anderen Gäste haben auch nicht so rechte Lust zu reden. Worüber auch? Daß man einsam ist? Wenigstens ist man nicht im Obdachlosenasyl. Oder bei der Heilsarmee, wo man gezwungenermaßen gerne religiöse Lieder mitsingt, bevor man ein opulentes Mahl genießen kann. 
Aber inmitten der Gestrandeten, gehört man da hin?

Deshalb doch lieber ins Stammlokal.

Da kann man wenigstens so tun, als gehöre man irgendwo dazu. Dann, wenn man genug hat von dem stillen Nichts, wankt man in ein Taxi. Und versucht zumindest mit dem Taxifahrer das Gespräch zu führen, das man den ganzen Abend nicht geführt hat. Aus meiner Zeit als Taxler in München kenne ich diese Situation genau. Das Redebedürfnis ist groß. Und auch das Bedürfnis zu widerlegen, man sei einsam. Also werden allerhand Geschichten aufgetischt. Man sei Spion oder Polizist, der verdeckt agiert. Zwar legt man gerade seine Identität offen, aber logisch muß die Legende ja nicht sein.
Sie muß nicht mal den Taxichauffeur überzeugen. 

Nur sich selbst.

Daß alles seinen Grund hat, warum man an Weihnachten nicht im Kreise seine Lieben verbringt. Nicht etwa, weil man keine Lieben hat. Sondern, weil man nicht will.
Wenn die wüßten.

Wie im Kreise der angeblich so Lieben so manches Fest in Streit und Gezicke ausartet.

Da wünschte man sich, mal einen ganzen Abend in Ruhe irgendwo still zu sitzen. Wobei man nicht weiß, was das in Wirklichkeit heißt. Denn das macht man nur, wenn man keine Wahl hat. 
Wenn man die Wahl hat, hat man allerdings auch keine.

Dann muß man im Kreise der buckligen Verwandtschaft feiern. 
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