Da man die Existenz Gottes nicht beweisen kann (was der Grund dafür ist, daß man von "Glauben" spricht), aber auch nicht die Nicht-Existenz, meine ich, daß diese beiden Alternativen letztlich gleichberechtigt gegenüber stehen. Aus der unmöglich zu treffenden, sicheren Entscheidung in die eine oder andere Richtung folgt auch kein Übergewicht der gegensätzlichen. Wenn alles, was man nicht beweisen könnte, als nicht existent anzusehen hätte, so hätte auf dieser lieblosen Welt auch die Liebe etwa keinen Platz. Auch Quanten sind nicht bewiesen, nicht der Urknall oder die Evolution.

Dies sind schlicht Theorien, von denen man nur aufgrund Wahrscheinlichkeit ausgeht.

 

Aber Beweise hierfür fehlen.

 

Wenn man also die Wahl hat, an Gott zu glauben oder nicht, ist es meines Erachtens nach vernünftiger, an Gott zu glauben. Die Alternative wäre ein Leben ohne Hoffnung, das im Nichts endet. Für die eigene Existenz ist es tröstlicher, etwa Schmerz auszuhalten im Hinblick auf ein Leben nach dem Tode. Wer an ein schnödes Nichts vor und nach dem eigenen Leben glaubt, ist letztlich auf dieses Leben ausschließlich zurückgeworfen.

Nicht einsehbar wäre dann, konsequent gedacht, auf wen man dann bei Befriedigung seiner eigenen Gelüste Rücksicht zu nehmen hätte. Ethisch zu handeln, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, wäre dann unlogisch und kontraproduktiv, so es doch nur um das eigene Wohlergehen ginge. Wenn nach dem physischen Tod auch das Ende der eigenen Existenz droht, dann ist ein Ansparen von Genuß im Hinblick auf ein ewiges Leben wenig sinnvoll. Dann wäre bei Taten eine reine Risikoabwäng vorzunehmen, ob man dabei ertappt würde oder nicht. Rücksicht auf höhere Werte wäre nicht zu nehmen, weil letztlich doch alles nichtig wäre.

Aber ein Leben, das einem höheren Prinzip folgt, auf das man auch in schweren Zeiten bauen könnte, ist zufriedenstellender. Wer Unbill in seiner Biographie erleiden muß, nur, um am Ende sich ohnehin in nichts aufzulösen, der kann seinem Leben gleich ein Ende setzen.

Das stellt den Sinn des Lebens selbst in Frage.

 

Mit dem Glauben an etwas, das nach dem Tode auf einen wartet und das Leben belohnen kann, lebt es sich insoweit gelassener. Auch die Psyche mag dann besser vertröstet werden, wenn das Leben nicht nur aus positiven Aspekten zusammengesetzt ist.

 

Selbst, wenn das blanke Nichts auf einen wartete, hätte man so die Lebenszeit sinnvoller genutzt, als sie bloß als das Ansammeln von Glücksmomenten zu sehen, die ohnehin zu nichts führten. Wer an nichts glaubt, hat auch nichts zu erwarten. Wer glaubt, mag schon aus diesem Glauben etwas zu schöpfen, was das Leben durchaus erträglicher machen kann. Zwar mag dies Nichtgläubigen erscheinen, als würde man kleinen Kindern vormachen, es gäbe Osterhase und Chrtistkind.

Jedoch sind gerade diese Vorspieglungen Quell erheblicher Freuden in der Kindheit, von denen man noch bis ins hohe Alter zehren kann.

 

Es kommt eben nicht immer darauf an, ob etwas sicher zutrifft (ansonsten gäbe es auch keine Wetten oder Lotterien), sondern darauf, was man angedenk der emotionalen Lage, in die einen die Vorstellung bringt, etwas könnte zutreffend sein, gegenwärtig fühlt.

 

Es ist vernünftiger zu glauben.

 

 

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