In der Strafjustiz wünschte man sich des öfteren, daß das Geschehen objektiv auf Band zu sehen wäre, anstatt daß die Richter auf die subjektive Erinnerung der Zufallszeugen angewiesen wäre. Allein, der heilige Datenschutz verhindert, daß vieles oder alles überwacht wird. Oder bei unerlaubter Aufnahme zumindest nicht verwertet werden darf, so objektiv auch zu sehen sein mag, was man da dann sehen mag.

Und so muß man versuchen, bei Gericht die lügnerische Spreu vom ehrlichen Weizen zu trennen.


Was gar nicht so einfach ist.


Und auch beim Fußball scheint die Lage so zu sein, daß man die Überwachung nicht nutzen darf, obwohl sie allenthalben mit großem technischen Aufwand betrieben wird. Alles auf den Festplatten der Sender, in überragender Qualität. Aber der Schiedsrichter ist immer noch auf seine Augen und Ohren und die seiner Linienrichter angewiesen. Selbst wenn diese nicht die besten sind, die Richter an der Linie und auf dem Rasen und deren Sinnesorgane, können krasse Fehlentscheidungen nicht durch den Wahrheitsbeweis des aufgezeichneten Bildes revidiert werden. Sehenden (oder blinden) Auges muß der Schiedsrichter entscheiden, was er eben entscheiden muß. 

Da helfen keine Proteste oder auch kein Fernsehbild.


Was der Schiedsrichter meint, gesehen zu haben, das hat er dann auch gesehen.


Insoweit glaubt dieser Richter nur an sich selbst als Zeugen, andere Zeugen hat er nicht. Wäre es nicht an der Zeit, der modernen Technik eine Chance zu eröffnen? Die Superzeitlupe auszupacken und den bösen Schläger zu entlarven? Die hochauflösenden Bilder nutzen, um zu prüfen, ob der Ball noch ein wenig Staub der Torlinie aufgewirbelt hat oder der Ball doch mit ganzer Breite im Tor war?

Ist bloße Prüfung durch den fehlerbehafteten Zeugentyp Mensch nicht aus der Mode?


Die FIFA ist nach wie vor dagegen.


Allerdings birgt so ein Fußballspiel einen Haufen strittiger Entscheidungen, es stünde zu befürchten, daß alle paar Sekunden jemand eine Entscheidung anzweifelte und den Videobeweis forderte. In jedem Zweikampf könnte ein Foul stecken, in jedem Foul ein schlichter Zweikampf und eine Schwalbe des angeblich Gefoulten. In jedem Pass könnte ein Abseits stecken und in jedem Torschuß ein Tor.

Das Spiel würde ständig unterbrochen und brutto mindestens drei Stunden dauern.


Allerdings ohne jeglichen Spielfluß.


Und ohne Spannung, denn diese ständigen Unterbrechungen wären wohl kaum schön anzuschauen. Auf die Kondition käme es bei den Spielern wohl auch nicht mehr an, weil man sich während der dauernden Unterbrechungen rasch regenerieren könnte. Und fühlte man sich mal ein wenig schlapp, dann muß halt flugs ein Videobeweis her.

Wieder fünf Minuten gewonnen.


Aber noch ein anderer Aspekt spricht gegen den Videobeweis.


Ich als Spieler würde es vorziehen, durch einen Menschen zwar zuweilen falsch, aber eben menschlich beurteilt zu werden als ständig von einer Maschine gnadenlos richtig.

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