Daß große Firmen nicht immer die Ethik gepachtet haben, die man sich wünscht, ist eine Binsenweisheit. Daß man zuweilen auch über Leichen geht, etwa wenn Kinderhände billig in der Zweidrittelwelt produzieren, damit hierzulande Knauserer Grund zur Freude haben oder daß man auch mit Diktatoren, etwa in China, gerne Geschäfte macht, wenn die Bilanzen freundliche Entwicklung versprechen, ist nicht gänzlich unbekannt. Daß aber Firmen Regime bei üblen Machenschaften unterstützen, dürfte neu sein.

So bekämpft etwa Microsoft in Rußland Rußland-Kritiker.

 

Und hilft den Behörden, diese mundtot zu machen.

 

So geht man angeblichen Hinweisen nach, daß die ungeliebten Kritiker auf ihren Computern illegale Programme haben, eine Straftat, die die Polizei zum Handeln legitimiert. So beschlagnahmt man die PCs und gibt sie, wenn man nichts finden kann, oftmals virenverseucht nach Monaten zurück, wenn die angefeindeten Projekte längst verwirklicht sind. Ansonsten hätte man keine Handhabe gehabt, mit den Kritikern offen feindlich zu verfahren, ohne seine Maske fallen zu lassen.

Merkwürdig nur, daß bei Normalbürgern oder Befürwortern der Regierung niemals nach illegaler Software gesucht wird.

 

Und merkwürdig, daß Microsoft wegen geringer entgangener Lizenzgebühren riskiert, weltweit als Schurkenfirma gebrandmarkt zu werden.

 

Oder doch nicht? Ethik ist vermutlich Ansichtssache. Eine positive Bilanz ist die beste Ethik, denn ansonsten scheint man keine zu haben. Wer also clever ist, lasse sich hierzulande einfach den PC konfiszieren. Das Medienecho wäre groß (man denke an den christlichen Eiferer, der den Koran verbrennen wollte).

In Rußland interessiert das keine Sau.

 

Jedenfalls keine, die ihre Computer noch länger braucht.

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