So manches, was man sich als Aufgabe im Leben sucht, hat der Zufall an einen herangeschwemmt. Wie dieses unmögliche Puzzle, das auf Gesichtsbuch gepostet wurde. Zweiseitig bedruckt, mit winzigen, bunten Punkten auf der einen Seite, mit blassen Mini-Herzen auf der anderen.

Klar, das muße her.

 

22.10. 12 Ein Tag später liegt es schon vor meiner Tür. IMGP3597

 

In einem rieseigen Karton eine kleine Schachtel. Das sieht gar nicht so unmöglich aus. 550 Teile, das sollte doch in einer Woche zu schaffen sein. Immerhin habe ich schon Puzzle ohne Bild gelöst und für 500-er Bilder brauchte ich zu meinen besten Zeiten 3 Stunden.

Also den Eßtisch besetzt (sehr zur Freude meiner Lieben) und die Teile jungfräulich aus ihrem Plastikbeutel befreit. Hm, welche Seite sollte es denn sein? Ganz klar, das bunte Konfetti-Durcheinander sieht anregend aus. Und zuerst einmal den Rahmen zusammengesetzt.

Bis Freitag bin ich fertig.

 

23.10.12 Das erste Teil gefunden. Nach langer Suche. Ich muß systemmatischer vorgehen. Also die Teile nach Formen sortiert. 

 

24.10.12 Zweites und drittes Teil. So geht das nicht weiter. Das wirkt zwar unglaublich meditativ. Aber mein inneres Ich habe ich längst gefunden und jetzt beginnt es (also das innere Ich), mich zu langweilen. Das sollte es nicht tun, das interne Ego.

Die Stille in meinem Kopf beginnt schon zu rauschen.

 

25.10.12 Paradigmenwechsel. Also alle Teile umgedreht, denn das Herzen-Einerlei lenkt nicht von der Form ab, damit tut man sich leichter. Und zum Couchtisch umgezogen. Weil die zu erwartende Dauer von etwa einem Monat für die Tischblockade nicht akzeptabel ist, weil auch mal wieder am Tisch gegessen werden soll. 

Meine nicht ich, sondern wir beide. Sagt meine Frau.

 

Immerhin schon 16 Teile gefunden. Bei 22x25 Teilen, also wirklich 550 Teile schon 106 (mit Rahmen) gefunden. Also fast ein Fünftel. Bei dem Tempo brauche ich - lange.

 

26.10.12 Wenn`s einmal läuft: 32 Teile sind an Ort und Stelle. Bei dem Tempo brauche ich - immer noch lange. Aber mit jedem gefundenen Teil wird es potentiell leichter.

Denke ich mir. 

 

27.10.12 52 Teile. Das Tempo steigert sich. Sollte ein Puzzle nicht im Gegenteil zur Entschleunigung beitragen? Kein Kampf (auch der nicht gegen sich selbst), kein Wettbewerb, kein Zeitdruck. Gott sei Dank wird uns heute durch die Zeitumstellung sogar eine Stunde geschenkt.

 

28.10.12 Immerhin 90 Teile sind ineinander umschlungen.

 

29.10.12 Rückenweh vom Beugen über den Couchtisch. 139 Teile. Mit den 90 für den Rand also 239. Fast die Hälfte. Ich arbeite mich von den beiden Schmalseiten auf die Mitte zu. Die Mitte finden.

Das macht müde.

 

Mittendrin, statt nur anstatt. IMGP3593

 

30.10.12 - 191 Teile. Über die Hälfte. Und die andere Hälfte ist deutlich leichter als die erste. Also auch deutlich mehr als die Hälfte des Weges geschafft.

Es gibt also kein Zurück. Wobei - doch: Ich könnte alles in den Karton kloppen und es sein lassen.

 

31.10.12 Lange nach einem Teil gesucht. Und es schließlich unter der Cuch gefunden. Vorher kleines Mißgeschick, nachdem ich an der Decke hängen geblieben war und bereits zusammengesetzte Teile entsetzt habe und diese mühsam rekonsrtuieren mußte.

Am Ende des Tages knapp über 300 Teile.

 

IMGP3594 1.11.12 Am Feiertag die 400-er Grenze überschritten. Das ist eine wahre Grenzerfahrung angesichts dieser Grenzüberschreitung. Morgen könnte es ferig werden. Ich bin jetzt schon fertig. Wenn ich nicht arbeiten müßte, ich würde wohl eine Nachtschicht einlegen.

 

2.11.12 16:43 Uhr: Geschafft. Hurra! Alle Teile sind an ihrem Ort, es fehlt keines und es ist auch keines übergeblieben. Das "unmögliche" Puzzle hat gelogen: Es war gar nicht unmöglich. Aber es schaut etwas gleichförmig aus, dem weißen Flimmern eines Fernsehgerätes ohne Empfang nicht unähnlich. Aber, wie bei dem solchen: Je länger man hinschaut, desto mehr sieht man oder glaubt man zu sehen. Analoges Fernsehen also, ohne jede Elektronik. Weißes Rauschen, optisch jedenfalls.

Was soll ich bloß am Wochenende anfangen?  IMGP3596 1

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