Dieser Tage muß man mal wieder feststellen: Der Sport lebt nicht nur vom Kampf, vom Gefühl des Triumphes oder davon, sich selbst zu überwinden.

Vor allem lebt der Sport auch von der Ungerechtigkeit.

 

Denn ohne strittige Szenen wäre König Fußball allenfalls einer unter vielen Edelmännern.

 

Wer würde sich auch an ein einziges Tor vor 34 Jahren erinnern, wenn dieses nicht fälschlicherweise als solches gegeben worden wäre und über Sieg und Niederlage entschieden hätte? Wären heute Spiele gegen die Engländer, die schon lange in vielem freundlich mit uns verbunden sind, auch nur noch eine kleine Randnotiz wert? Aber eben diese wohl falsche Entscheidung des Linienrichters hat die Gemüter erregt.

Und den Mythos vom Fußballspiel auch mitgestaltet.

 

Wie langweilig wären doch diese Begegnungen ohne jede Diskussionsgrundlage.

 

Wenn alle sich eing sind, wirkt das zwar harmonisch, aber auch ein wenig arm an Reibungsverlusten. Die Menschen wollen etwas haben, worüber sie sich aufregen können. Wer erinnert sich noch an das erste Tor für Deutschland im Endspiel 1974? Nur eingefleischte Fußballfans wissen, daß es ein Elfmetertor war, aber alle Holländer können niemals vergessen, daß es mit Sicherheit und auf jeden Fall aufgrund einer Schwalbe zustande kam. Alle Ungarn wissen, daß das dritte Tor für ihr Team 1954 niemals abseits war (und alle Deutschen, die sich dunkel daran erinnern, meinen, daß es selbstverständlich kein reguläres Tor gewesen wäre). Die Hand Gottes vom sehr irdischen Herrn Maradona war ein übles Foul wie auch die Hüfte des Teufels Schumacher gegen den beklagenswert zahnlosen Herrn Battiston.

Alles Dinge, über die man heiß diskutieren kann.

 

Wie auch das - wiederum dritte - Tor in einem Spiel Deutschland gegen England, wodurch der Spielstand nach dem Ereignis in beiden Fällen nicht ausgeglichen war. Auch das wird wieder zur Legendenbildung beitragen. Und wenn es wieder heißt: Sie gegen uns, dann wird man wieder in allen Vorberichten unendlich oft die beiden Toren zu sehen bekommen, eines noch in schwarz-weiß, eines in High Definition.

Und über die Ungerechtigkeit wird man zu reden haben.

 

Und ohne sie? Würde man sich wohl langweilen.

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