Perfektionismus ist bei Kollegen eine ambivalent beliebte Sache, bei Ehegatten und Verwandten ein eher zweischneidiges Schwert. Während die Kollegen sich über perfekte Arbeitsergebnisse freuen und über hohes Anforderungsprofil ärgern, leiden Angehörige oftmals unter dem Arbeitspensum eines Perfektionisten.
Weil dieser unfähig ist, unsauber zu arbeiten.

Das wirkt sich insbesondere auf die Arbeitszeiten aus.

Wobei einem das wenig Lohn einbringt. Sicher wird man Chancen auf Beförderung und finanziell mehr in der Tasche haben als ein Faulenzer (wobei es auch dafür keine Garantie gibt). Aber die Gesundheit leidet und auch so manche Beziehung. Wenn letztere in die Brüche geht, stürzt man sich umso mehr in die Arbeit, was wiederum die Chancen erschwert, eine neue Beziehung mangels Zeit einzugehen. Und sich gesundheitlich noch mehr auswirkt.
Herzinfarkt, und allein im Krankenhaus liegen (aber perfekt versorgt).

Lohnt sich das wirklich?

Das scheinen jedenfalls viele zu denken, denn wir sind umgeben von Perfektionisten. Und sei es nur der Hausmeister, der seinen Job ausfüllt, als gelte es, die Werteordung der westlichen Welt zu verteidigen. Ordnungshüter, die auch noch die letzte Verordnung ernst nehmen. Die Nachbarin, die aus der Mülltrennung eine Art Evangelium macht. Und nicht zuletzt dieser miesepetrige Kollege, der jede Nachlässigkeit als persönliche Kriegserklärung ansieht.
Unfähig, auch mal unfähig zu sein.

Oder sich dies zumindest nicht eingesteht. 

Egal, ob der Körper nicht so stark ist, wie er gemartert wird. Egal, ob sich das Umfeld mokiert über die I-Düpferl-Scheißer. Egal, ob man als Pedant und Korinthenkacker und Haarspalter bezeichnet wird. Man muß.
Vielleicht ist das sogar pathologisch.

Hallo, mein Name ist xxx und ich bin Perfektionist. Hallo xxx.

Es handelt sich um eine noch anzuerkennende Sucht, deren Behandlung demnächst auch von den Kassen bezahlt wird. In der Therapie lernt man, Arbeit auch mal schnell zu erledigen, auch mal schlampig zu sein und nicht alles (nicht zuletzt sich selbst) nicht so wichtig zu nehmen.
Mit anderen Worten: Man nimmt den armen Betroffenen ihren Lebensinhalt.

Was für ein Glück: Ich kann das alles jetzt schon.
Oder Pech?

 
Zurück zu Home