Die Angst vor Veränderungen ist allgegenwärtig. Was sich lange bewährt hat, sollte man nicht demontieren. Wechsle niemals die Pferde auf halber Strecke. Wobei jede Veränderung irgendwo unterwegs auf dem Pfad des Lebens vor sich geht.
Nur Katzen haben sieben Leben.

Menschen aber oftmals nicht einmal ein einziges, richtiges.

So sollte man von Zeit zu Zeit den Kurs ändern. Mal andere Luft schnuppern, auch den Augen etwas Neues zu sehen geben. Wobei sich heutzutage alles so schnell ändert, daß Veränderung der Normalfall ist. Die Mode ändert sich, um Kaufanreize zu schaffen. Die Technik schreitet voran, aus kommerziellen Gründen. Sogar Wohntrends werden suggeriert, um nicht ein Leben lang mit guten Möbeln zuzubringen, sondern immer wechselnd mit Mobiliar in Leichtbauweise.
Das hält nicht lange, weil es auch nicht lange halten muß.

Vielmehr ist es auf Veränderung ausgelegt.

Wie war das noch zu Zeiten unserer Großeltern. Die lebten ihr ganzes Leben in derselben Wohnung, mit Dingen, die teilweise noch von ihren Großeltern stammten. Eine Wohnzimmereinrichtung war eine Anschaffung für's Leben. Das war solide, klotzig und repräsentativ. Und wir Enkel traten immer wieder in dieselbe Wohnung ein. Man wurde schnell heimelig, denn man war in gewohnter, bewohnter Umgebung. 
Zu Hause aber wechselten die Stile und Designs.

In schneller Abfolge wurden ganze Schlafzimmer gekauft und wieder vom Sperrmüll abgeholt.

Wie konnte man da Heimatgefühle entwickeln? Auch um das Elternhaus herum wurden neue Straßen gebaut, neue Häuser errichtet und Felder und Wiesen mußten weichen. Wo man als Kind noch gespielt hat, da steht nun ein Supermarkt mit großem Parkplatz. Die geheimen Gefilde, wo man als Knirps noch herumstromern konnte, bewohnen nun Fremde mit Vorgärten aus Rollrasen, den man niemals betreten darf.
Und auch wir haben uns geändert.

Wir haben unsere Einstellung, unsere Ansichten zu Politik und Kunst und auch zu so manchem Musikstück geändert.
Rockgruppen, ohne die wir nie zu existieren dachten, schlummern nun auf Postern und Schallplatten im tiefen Keller, während Musik im CD-Spieler liegt, die wir früher eher unseren Eltern zugeordnet hätten. Wir lesen Bücher, die nicht immer ein glückliches Ende haben und essen gerne Dinge, die wir früher höchstens auf Befehl hinuntergewürgt hätten.
Das Leben ist ein stetiger Umbau.

Menschen, die wir früher für einheitlich alt gehalten haben, lernen wir nun zu unterscheiden, wenn wir selbst in ein gewisses Alter kommen. Wir trennen uns von viel Ballast, den wir unbedingt haben mußten, der uns aber nun auf dem neuen Weg hemmt. Und schaffen uns Neues an. Altes geht den Weg alles Irdischen oder wandert erst in den Keller, wo man es dann irgendwann in Internet verscheuert.
An Menschen, die auf der Suche nach Neuem sind.

Unser Altes ist so manchem etwas Neues. Ein ewiger Kreislauf. Wartet man lange genug, ist alles wieder in Mode, was man ganz altmodisch aufbewahrt hat.
Aber Aufbewahren an sich ist von gestern, wegwerfen ist von heute.

Und Kaufen ist von morgen.

Hauptsache: Neu. Umbau um des Umbaus willen, egal was, es muß Veränderung her. Wobei man oft übersieht: Das hilft alles nichts, wenn man selbst stets der Alte bleibt.
Austausch ausgeschlossen.
 
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